RuhrGesichter Als wir am frühen Freitagabend die Almeauen in Büren erreichten, war sofort spürbar, warum sich das Büren Open Air – BOArocks innerhalb weniger Jahre zu einer festen Größe in der nordrhein-westfälischen Festivallandschaft entwickelt hatte. Zwischen den weitläufigen Grünflächen und der beeindruckenden barocken Kulisse des ehemaligen Jesuitenkollegs entstand eine Atmosphäre, die sich deutlich von vielen anonymen Festivalflächen auf irgendeinem random Acker unterscheidet. Das Festival, das seit 2018 kontinuierlich gewachsen ist und inzwischen weit über die Grenzen des Kreises hinaus Besucher anzieht, bewies auch 2026 erneut seinen besonderen Charakter. Bereits im Vorfeld war die Entscheidung, den ersten Festivaltag vollständig dem Heavy Metal zu widmen und dafür mit Powerwolf eine der erfolgreichsten europäischen Metal-Bands der Gegenwart zu verpflichten, als mutiges Ausrufezeichen gewertet worden. Ob dieser Plan aufgegangen ist? Dieser Frage werden wir Ruhrgesichter im Folgenden nachgehen.

BOArocks: Powerwolf in Büren                                                                  

Feuer frei in den Almeauen

Schon   vor   dem   ersten   Ton   fiel   die   entspannte   Organisation   positiv   auf.   Die Shuttle-Verbindungen    funktionierten,    das    Sicherheitspersonal    begegnete    den Besuchern   freundlich   und   professionell.   Einzig   für   Besucher,   die   angesichts   der Hitze    regelmäßig    isotonisch    nachhopfen    wollten,    entstanden    teils    zu    lange Wartezeiten.    Auch    die    vorhandenen    Sitzmöglichkeiten,    die    Campingoptionen, aufgrund    der    Hitze    die    Möglichkeit,    seine    Trinkflasche    wieder    kostenlos    mit Wasser   aufzufüllen,   ein   bewachter   Fahrradparkplatz   (hallo   @alleanderenfestivals, bitte   mal   für   eure   nächste   Veranstaltung   prüfen)   und   eine   ansonsten   in   dem   für die   Besucher   und   Medienvertreter   sichtbaren   Teil   der   Veranstaltung   professionelle und   außerordentlich   um   das   Wohlergehen   aller   Gäste   bemühte   Orga.   Das   ist nicht   selbstverständlich,   als   Medienvertreter   kommt   man   rum   und   sieht   da   auch immer   mal   wieder   ganz   andere   Beispiele.   Also,   liebes   Team   von   „Büren   Open   Air – BOArocks“: Daumen (oder wahlweise die Pommesgabel) hoch und weiter so! Den   musikalischen   Auftakt   des   Abends   übernahm   Induction .   Die   von   Gitarrist Tim   Hansen   gegründete   Band   konnte   unsere   Redaktion   bereits   bei   früheren Auftritten   überzeugen   und   stand   nun   vor   der   anspruchsvollen   Aufgabe,   für   ein Publikum   zu   eröffnen,   das   zu   einem   erheblichen   Teil   bereits   auf   Warkings   und   vor allem   Powerwolf   fokussiert   war.   Doch   genau   diese   Herausforderung   meisterte   die Formation   bemerkenswert   souverän.   Bereits   nach   wenigen   Minuten   war   klar,   dass Induction deutlich mehr als eine Pflichtübung im Vorprogramm darstellten. Vor    der    Bühne    hatte    sich    schon    früh    eine    respektable    Zuschauermenge versammelt,   und   die   Reaktionen   fielen   positiv   aus.   Die   Mischung   aus   modernem Power   Metal,   eingängigen   Melodien   und   technisch   anspruchsvoller   Gitarrenarbeit funktionierte   hervorragend   unter   freiem   Himmel.   Besonders   Tim   Hansen   und   sein Gitarrenpartner    präsentierten    sich    als    perfekt    harmonierendes    Duo,    während Ausnahme-Sänger    Gabriele    Gozzi    mit    beeindruckender    Leichtigkeit    zwischen kraftvollen Höhen und melodischen Passagen wechselte. Was   bei   vielen   Vorbands   häufig   fehlt   –   nämlich   die   Fähigkeit,   innerhalb   kurzer Zeit   echte   Aufmerksamkeit   vom   Warm-Up   Bier   oder   dem   entspannten   Geplauder am   Würstchenstand   hin   zum   Bühnengeschehen   zu   lenken   –,   gelang   Induction nahezu   mühelos.   Songs   wie   „Love   Kills“   entwickelten   eine   Dynamik,   die   das Publikum   schnell   auf   Betriebstemperatur   brachte.   Dabei   profitierte   die   Band   von ihrem   modernen   Ansatz,   der   klassische   Power-Metal-Tugenden   mit   zeitgemäßen Elementen verband. Natürlich   blieb   die   Spielzeit   relativ   knapp.   Genau   hier   zeigte   sich   allerdings   auch die    einzige    Schwäche    des    Auftritts.    Kaum    hatte    die    Band    richtig    Fahrt aufgenommen,   war   das   Set   bereits   wieder   vorbei.   Dennoch   hinterließ   Induction den    Eindruck    einer    Formation,    die    längst    bereit    für    größere    Aufgaben    ist. Allerdings   müssen   sie   etwas   aufpassen,   dass   sie   nicht   als   ewige   von   der   Kritik bejubelte    Talente    dauerhaft    im    Talentstatus    verbleiben    und    als    permanenter Newcomer   in   die   ewigen   Musikjagdgründe   eingehen.   Wir   jedenfalls   wünschen Ihnen   den   nächsten   großen   Schritt.   Als   Opener   lieferten   Induction   jedenfalls exakt    das    ab,    was    man    sich    wünschen    konnte:    einen    professionellen, energiegeladenen    und    musikalisch    überzeugenden    Einstieg    in    einen    langen Musikabend. Nach   einer   kurzen   Umbaupause   betraten   Warkings    die   Bühne.   Sie   sorgten unmittelbar   für   einen   deutlichen   Anstieg   des   Energielevels   im   Publikum,   dass   der Hitze   tapfer   trotzte.   Während   Induction   noch   vor   allem   über   ihre   musikalischen Qualitäten   überzeugten,   setzten   Warkings   neben   (nicht   statt!)   musikalischem Handwerk   von   Beginn   an   auf   maximale   Unterhaltung.   Das   Konzept   der   Band   eine    Mischung    aus    historischer    Fantasie,    Krieger-Mythologie    und    klassischem Power   Metal   –   mag   auf   dem   Papier   etwas   kitschig   wirken,   doch   live   entfaltete   es eine   erstaunliche   Wirkung,   was   neben   der   unbestreitbaren   musikalischen   Qualität an den augenzwinkernden Entertainer Qualitäten der Damen und Herren liegt. Kaum   hatten   die   Musiker   die   Bühne   betreten,   verwandelte   sich   das   Gelände   vor der    Bühne    bei    Songs    „Armageddon“    oder    natürlich    „Fight“    in    eine    große Feiergemeinschaft.   Fäuste   reckten   sich   in   die   Höhe,   erste   Circle   Pits   entstanden, und    die    Band    verstand    es    ausgezeichnet,    die    Zuschauer    aktiv    einzubinden. Besonders   die   zahlreichen   Call-and-Response-Passagen   sorgten   dafür,   dass   auch Besucher,   die   mit   dem   Material   weniger   vertraut   waren,   schnell   Teil   der   Show   und der Horden Spartas wurden. Ahu! Musikalisch    bewegten    sich    Warkings    erwartungsgemäß    nicht    außerhalb    der bekannten   Genregrenzen.   Große   Refrains,   hymnische   Melodien   und   kraftvolle Riffs   dominierten   das   Geschehen.   Doch   gerade   diese   Berechenbarkeit   wurde   an diesem   Abend   zu   einer   Stärke,   denn   die   Songs   schlugen   wie   Blitze   genau   dort ein,   wo   sie   hingehören:   Zwischen   die   Ohren   der   begeisterten   Horden.   Die   Songs entfalteten     live     enorme     Wirkung     und     wurden     vom     Publikum     begeistert aufgenommen.   Hinzu   kam   die   starke   Bühnenpräsenz   der   gesamten   Besetzung. Die   Figuren   des   Tribuns,   Spartans,   Crusaders   und   Vikings   wirkten   nie   lächerlich, sondern    präsentierten    das    Konzept    mit    genau    der    richtigen    Mischung    aus Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern.   Besonders   eindrucksvoll   war   die   Rolle   von   Morgana   le   Fay.   Ihre   Gesangsparts verliehen   den   Songs   zusätzliche   Dynamik   und   sorgten   für   spannende   Kontraste innerhalb   der   ansonsten   stark   hymnisch   geprägten   Arrangements.   Immer   wieder gelang   es   der   Band,   die   Stimmung   weiter   anzuheizen,   bis   die   Almeauen   zeitweise eher an eine Arena als an ein Stadtfestival erinnerten. Warkings   bewiesen   eindrucksvoll,   warum   sie   sich   in   den   vergangenen   Jahren   zu einem    der    erfolgreichsten    modernen    Power-Metal-Acts    entwickelt    hatten.    Sie lieferten    keine    musikalische    Revolution,    aber    eine    hochgradig    unterhaltsame Show,   die   perfekt   als   Brücke   zum   Hauptact   funktionierte   und   die   ihnen   viele   neue Freunde bescherte. Als   schließlich   die   Sonne   langsam   tiefer   sank   stieg   die   Spannung   spürbar   an. Schließlich   war   Powerwolf    nicht   irgendein   Headliner.   Die   Band   hatte   sich   in   den vergangenen   zwei   Jahrzehnten   vom   Geheimtipp   zu   einer   der   größten   Metal- Institutionen    Europas    entwickelt    und    ist    mittlerweile    Stammgast    auf    den wichtigsten Festivals des Kontinents. Bereits    in    den    ersten    Sekunden    wurde    deutlich,    dass    Powerwolf    keinerlei Kompromisse    eingingen.    Der    Vorhang    fiel    und    Attila    Dorn    erschien    auf    der Bühne,   während   Flammen   emporstiegen   und   die   riesigen   LED-Wände   zum   Leben erwachten.     Schon     beim     Opener     explodierte     die     Produktion     förmlich. Feuerfontänen    schossen    in    den    Abendhimmel,    Lichtblitze    durchzuckten    die Szenerie,    und    die    gewaltigen    Bildschirme    präsentierten    aufwendig    animierte Motive. Man   konnte   durchaus   verstehen,   warum   manche   Kritiker   Powerwolf   gelegentlich vorwerfen,   die   Show   sei   bis   ins   letzte   Detail   durchgeplant.   Tatsächlich   wirkte kaum   ein   Moment   spontan.   Jeder   Effekt,   jede   Bewegung   und   jede   Interaktion schienen   exakt   choreografiert.   Doch   gleichzeitig   musste   man   anerkennen,   mit welcher   Perfektion   diese   Inszenierung   umgesetzt   wurde.   Die   Band   präsentierte keine gewöhnliche Metal-Show, sondern ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk. Besonders    beeindruckend    war    die    Qualität    der    LED-Animationen.    Zu    nahezu jedem   Song   entstanden   eigene   Bildwelten,   die   weit   über   dekorative   Hintergründe hinausgingen.   Mal   wurden   düstere   Kathedralen   sichtbar,   mal   kämpften   monströse Kreaturen über die Leinwände, mal dominierten sakrale Symbole die Szenerie. Musikalisch   setzte   Powerwolf   auf   eine   Mischung   aus   aktuellen   Songs   und   den größten   Hymnen   ihrer   Karriere.   „Armata   Strigoi“,   „Sinners   oft   he   Seven   Seas“, „Amen   &   Attack“,   „Incense   &   Iron“,   „Demons   Are   A   Girl’s   Best   Friend“   und   das herrlich   sakral-„anstössige“   „Stossgebet“      verwandelten   die   Almeauen   in   einen einzigen   riesigen   Chor.   Kaum   ein   Refrain   verstrich,   ohne   dass   Tausende   Stimmen ihn   lautstark   begleiteten.   Dabei   zeigte   sich   erneut   die   besondere   Stärke   der Band:   Ihre   Songs   mögen   strukturell   oft   vergleichsweise   einfach   sein,   doch   genau diese Eingängigkeit entfaltet live eine enorme Wirkung. Attila   Dorn   präsentierte   sich   dabei   als   charismatischer   Zeremonienmeister.   Mit seiner   markanten   Stimme   und   seiner   souveränen   Bühnenpräsenz   führte   er   das Publikum   durch   die   rund   zweistündige   Show.   Unterstützt   wurde   er   dabei   von Christian   Jost   -also   known   as   Falk   Maria   Schlegel-,   der   erneut   bewies,   warum   er zu     den     wichtigsten     Bestandteilen     des     Powerwolf-Erfolgs     gehört.     Das Zusammenspiel der beiden wirkte ebenso unterhaltsam wie routiniert. Zu   den   stärksten   Momenten   des   Abends   gehörte   zweifellos   „Where   The   Wild Wolves   Have   Gone“.   Nach   all   den   Feuerfontänen,   Explosionen   und   hymnischen Mitsingpassagen   entstand   plötzlich   eine   fast   intime   Atmosphäre,   während   Falk Maria   Schlegel   an   einem   brennenden   Klavier   saß   und   Attila   Dorn   den   Song   mit bemerkenswerter     Intensität     interpretierte.     Es     war     einer     jener     seltenen Festivalmomente,   in   denen   selbst   die   (meisten…)   lautesten   Besucher   für   einige Minuten verstummten. Beeindruckend   war   außerdem   die   Konsequenz,   mit   der   die   Band   ihr   Publikum einband.   Was   auf   dem   Papier   ermüdend   klingen   könnte,   entwickelte   live   eine   fast hypnotische   Wirkung.   Die   Menge   ließ   sich   bereitwillig   auf   jedes   Ritual   ein   und wurde damit selbst zum Teil der Inszenierung. Der   reguläre   Setblock   endete   mit   „We   Drink   Your   Blood“,   das   die   Stimmung   noch einmal   auf   einen   Höhepunkt   trieb.   Die   anschließenden   Zugaben   mit   „Sanctified With   Dynamite“,   „Blood   For   Blood   (Faoladh)“   und   „Werewolves   Of   Armenia“ sorgten    schließlich    für    einen    triumphalen    Abschluss.    Noch    einmal    sangen Tausende Besucher jede Zeile mit, bevor die Band sich verabschiedete. Als    die    Menschen    langsam    auf    den    Heimweg    machten,    blieb    vor    allem    ein Eindruck   zurück:   Powerwolf   hatten   eindrucksvoll   demonstriert,   warum   sie   heute zu    den    größten    Metal-Liveacts    Europas    zählen.    Als    Live-Erlebnis    ist    diese Produktion   momentan   kaum   zu   übertreffen.   Die   Kombination   aus   spektakulärer Inszenierung,   professioneller   Performance,   enormer   musikalischer   Qualität   und außergewöhnlicher   Publikumsbindung   setzte   Maßstäbe.   Am   Ende   war   die   Bühne trotz   massiver   Versuche   der   drei   Bands   weder   vollständig   niedergebrannt,   noch auseinandergerockt.   Das   wird   auch   Sarah   Conner   gefreut   haben,   die   am   Folgetag ihren Auftritt haben sollte. Gleichzeitig    zeigte    das    Büren    Open    Air    –    BOArocks    2026,    dass    große Konzerterlebnisse   nicht   zwangsläufig   in   riesigen   Metropolen   stattfinden   müssen. Gerade    die    Verbindung    aus    historischer    Kulisse,    familiärer    Atmosphäre    und hochkarätigem   Line-up   machte   den   besonderen   Reiz   dieser   Veranstaltung   aus. Induction   überzeugten   als   versierter   Opener,   Warkings   lieferten   eine   mitreißende Power-Metal-Party,   und   Powerwolf   krönten   den   Abend   mit   einer   Show,   die   in Erinnerung   bleiben   wird.   Für   das   BOArocks   war   dieser   Metal-Freitag   nicht   nur   ein weiterer   Programmpunkt   in   der   Festivalgeschichte,   sondern   ein   Ereignis,   das   den Ruf   der   Veranstaltung   nachhaltig   festigen   dürfte.   Wir   vergeben   unbestechlich   und verschwitzt    10    von    9    möglichen    Pommesgabeln    für    das    rundum    gelungene Gesamtpaket.