RuhrGesichter

Da    

hat    

der    

BIG    

DAY    

OUT    

wieder    

einiges

angeröchtet:  

Der  

Ort  

Anröchte  

im  

Sauerland  

hat

ca.  

10.000  

Einwohner.  

Einmal  

im  

Jahr  

wächst

die      

Einwohnerzahl      

deutlich,      

wenn      

sich

Feierwütige  

für  

ein  

Wochenende  

zu  

Tanz  

und

Spaß   

zwischen   

den   

beiden   

Bühnen   

des   

BDO

treffen.    

Sogar    

Nicht    

-    

Sauerländer    

werden

großzügig        

mit        

einem        

2-Tages-Visum

ausgestattet   

und   

dürfen   

mitfeiern.   

Der   

BDO

genießt        

in        

der        

Festivalszene        

einen

herausragend  

guten  

Ruf  

unter  

den  

mittelgroßen

Festivals,  

die  

Ruhrgesichter  

waren  

zum  

10.  

BDO

Jubiläum erstmals zu Gast.

BIG DAY OUT 10.0

Wie bereits in den Vorjahren gelang es dem Organisationsteam eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher und hochkarätiger Acts ins Sauerland zu locken. Die erste Überraschung erlebten wir bereits bei der Anreise: Das Festival findet nicht irgendwo auf dem Acker statt, sondern mitten im Ort mit offenbar toleranten Nachbarn. Die zweite Überraschung folgte auf dem Fuße, nachdem wir endlich einen Tagesmarsch entfernt einen Parkplatz gefunden hatten: Besucher, Orgateam, Security, Anwohner: Alle machten einen sehr entspannten Eindruck. Entspannt ging es zunächst auch beim Opener APRIL ART um 15:00 Uhr vor der Mainstage zu: Das Mädel und die Jungs aus Hessen nutzten ihre Chance, das erste Mal eine große Festivalbühne zu rocken. Obwohl der Großteil des Publikums noch nicht wirklich angekommen und gedanklich noch bei der Parkplatzssuche war, zündete die Leidenschaft und Spielfreude der Band und der Funke sprang über. Fazit: Chance genutzt und in der Wertung der unbestechlichen Ruhrgesichter – Festival – Jury gibt das satte 7,5 von 10 Punkten. Einen fetten Extra – Punkt gab es für den musikalischen Besuch von April Art auf dem Campingplatz, auf dem Erzählungen von BDO-Profis zufolge eine tolle Stimmung war, nicht nur beim angebotenen und lustig anzuschauenden  „Bieryoga“.           Nun hieß es, die Sinne um 180° gedreht neu auszurichten, die S-Club-Stage gegenüber der Hauptbühne aufzusuchen, um DEINE COUSINE kennenzulernen. DEINE COUSINE im Allgemeinen und Frontfrau Ina Bredehorn im Besonderen haben alles, was es braucht auch auf die ganz großen Bühnen der Republik zu kommen. Eine mitreißende Bühnenpräsenz, in den Bann ziehendes Charisma und -nicht ganz unwesentlich-: Hammerhartes, aber eingängiges Songmaterial, intelligente Texte, rauchige, rasiermesserscharfe Stimme und ungezügelte Musikalität. Dem entsprechend wurde es bewegt und schwitzig vor der Bühne. Unser Punktewerfer feiert: 8 von 10 und ein Knoten im Taschentuch: Bei nächster Gelegenheit gucken wir uns DEINE COUSINE wieder an.           HENNING WEHLAND sagt von sich, dass er nach den H-Blockx endlich erwachsen geworden ist. Und erwachsen ist auch seine Musik: Lässige Liedermacherpoprockbluesrock-Nummern zwischen kritischem Blick auf die Welt und herzhaftem Lachen über eben diese. „Die Bar ist der Platz, an dem Geschichten zusammen kommen“, sagt Wehland und so ist der Name seines Soloalbums „Der Letzte an der Bar“ nur folgerichtig, denn „der Letzte an der Bar schreibt beim Leben an“. Er ist der Geschichtenerzähler, der mit dem Publikum beim BDO feiern konnte und auch erstmals an diesem Tag leisere Momente schenkte. Wir sind HENNING WEHLAND dankbar für seinen gekonnt bunten Musikmix, haben mit ihm an der Bar um unser Leben getanzt (und einige Fotos verwackelt) und ihm grandiose 8 von 10 Punkte auf den Tresen gelegt.            Nach Tristan Brusch, dem wunderbar absurden Gesamtkunstwerk auf der Club-Stage wurde die 18 Uhr Marke geknackt und damit der Zeitpunkt erreicht, ab dem es für dendiedas Sauerländer*in kein zurück mehr gibt, hinter uns die nüchterne Arbeitswoche und ein Haufen leerer Pfandbecher, vor uns Warsteiner und die Symphonic Metaller von BEYOND THE BLACK. Die überaus talentierte und sympathische Jennifer Haben führte die BDO - Gemeinde mitten in das „Heart of the Hurricane“. Sich eben noch fremde Menschen lagen sich headbangend in den Armen (irgendjemand raunte mir etwas von „headgangbang“ ins Ohr), die etwas zurückhalteneren Musikfreunde in den hinteren Reihen nickten zustimmend mit dem Kopf während BEYOND THE BLACK eine Hymne nach der anderen ins Publikum feuerte; Songs, die für die großen Festivals und Arenen der Welt wie gemacht sind: Wacken, Glastonbury, Reading, Roskilde, Rock am Ring, Hellfest, Anröchte… Für metalverwöhnte Ohren ist das neue Material von BEYOND THE BLACK sehr eingängig und gelegentlich überraschend poppig; in dieser dargebotenen Qualität jedoch ein absoluter Volltreffer. Wir schütteln unser Haupthaar und heraus fallen mehrere Pfandbecher und 9,5 von 10 Punkte für BEYOND THE BLACK, weil: Besser geht das nicht.                       Wo wir gerade bei den Superlativen sind: Beim BDO habe ich den besten Hot Dog meines Lebens gegessen. Aber das nur nebenbei.  Nach dem Ausflug zur Fressmeile gab es FLOOOT, die kurzerhand mit Megaloh den Slot getauscht hatten, zu knipsen, zu sehen und zu hören. Dass Blasmusik im Sauerland besonders gut ankommt, könnte ein fieses Vorurteil sein. Ist es aber nicht. Der Blech-Blas-Rap der Blechbläser, der zudem mit mehrstimmigem Gesang punktet, ging direkt durch die Beine in die Birne und kam sichtlich gut an.           Es ging Schlag auf Schlag, durch die 2-Bühnen-Lösung blieb wenig Zeit die letzten Töne von FLOOOT aus den Ohren zu schütteln, bevor die Brote den Ohrenzwischenraum neu befüllten. Die Hamburger Hip Hopper sind unendlich erfahrene Bühnenmenschen und obwohl Hip Hop nun tatsächlich nicht zur Lieblingsmusik der Ruhrgesichter Redaktion gehört, so macht die launige, ehrliche Musik einfach Spaß. FETTES BROT wurde dementsprechend abgefeiert, so dass das Applausometer bis zu 8 von 10 Punkten ausschlug.           Der Big Day Out wird von einem Heer von 200 Ehrenamtlichen ermöglicht und ist nicht nur in dieser Hinsicht eine Besonderheit. Auch wenn gelegentlich nicht alles perfekt klappt, haben wir selten ein entspannteres Festival besucht. Sogar der Festivalwettergott hatte ein Einsehen und schickte sämtliche Gewitterfronten zu Menschen, die sie verdient haben, also weg von Anröchte. Gerüchten zufolge waren sogar die Toiletten ohne Schlauchboot und Gummistiefel erreichbar. Wackenerfahrene Fans würden vor Neid erblassen.           Dann ging es für uns weiter zu den angekündigten „Pop-Punkern“ (für die Bezeichnung hätten wir in unserer wilden Jugend ordentlich einen auf die Nase bekommen) von CITY KIDS FEEL THE BEAT. Das klang alles sehr amerikanisch, nach Freibad oder wahlweise Kalifornien, nach zweiter Liebe und erster Rebellion, nach Teenie und Kaugummi, schnell und eingängig und schnell eingängig. Der Zielgruppe gefiel es und so durfte die Band auch die Anröchter Version der Wall of Death bestaunen: Auf der Bühne und im Publikum wurde ordentlich geholzt. Feiern können sie, diese Sauerländer… Respekt, Anröchte! 8,5 fette Punktlandungen vom 10er im Freibad.          Die großartigen BULLET FOR MY VALENTINE beendeten als begeisternder Headliner den Freitag des BDO.           Die Gemeinde umarmte sich und teilte sich wie weiland Moses das Meer, die eine Hälfte floss in Richtung Busse, Autos, Traktoren, Fahrräder und Schubkarren, während die andere Hälfte in die Zelte kroch, freilich nicht um zu schlafen, sondern um die lauwarmen Bierdosen zwischen den Schlafsäcken hervorzukramen.   Am Samstag begann der zweite Festivaltag wieder um 15 Uhr. Verkaterte Gesichter, müde Augen, verschlafene Vorfreude auf den Tag und ein oder zwei Tassen Kaffee später trafen wir auf einen Festivalspezi com Campingplatz, der uns sein Leid klagte: „Ich habe den Leuten hier gestern gesagt, dass ich keinen Alkohol trinke. Ständig hat man mir danach Bier angeboten. Dann haben wir unsere Vorräte zusammengeworfen und ich habe gesagt, dass ich Vegetarier bin und kein Fleisch esse. Sofort wurden mir Salamibrötchen angeboten. Und kaum habe ich gesagt, dass ich keinen Sex habe, herrscht nur noch schweigen. Kein einziges Angebot. Nix!“  Um 15 Uhr startete der Samstag mit den Berliner Rockern von D’ANGEROUS auf der Hauptbühne. Genialer Gesang, cooole, zeitlose Musik, leider noch etwas verschlafene Augen im Publikum, die in D‘ANGEROUS aber den perfekten Starter hatten,  um das Blut erstmals in Wallung zu bringen an diesem herrlichen Tag. Ach so: 7 von 10 aufgeweckte kaffeeschwarze Punkte.           HERMETRIK aus Münster hatten ihren Indie-Synthesizer-Rock im Gepäck. Teile der Musik hätte uns auch in den 80ern von einer Bühne entgegen schallen können. Uns gefällt’s, dem Publikum auch, allerdings müssen wir uns erstmal um andere Dinge kümmern, der letzte Kaffee war offenbar kaputt und wirkt nicht mehr. Also ab zum schwarze Bohnen Dealer unseres Vertrauens.  Auf TEESY folgt der Hip-Hopper MEGALOH, der tatsächlich eine echte Rampensau ist: Er beherrscht Bühne und Publikum und jeder guckt. Jeder hört. Jeder ist bei ihm. Einzigartiges Charisma. Bei Gelegenheit werden wir ihn mal fragen, ob diese magicalskills angeboren sind. 8 Punkte!          Schicksal als Chance: VON WEGEN LISBETH wurden ja angeblich in der siebten Klasse gegründet, als der Sportlehrer krankheitsbedingt ausfiel. Unser Dank gilt noch heute dem kranken Sportlehrer, denn die Musikwelt im Allgemeinen und der BDO im Besonderen würden diese originelle, wundervolle Indie-Pop Band sonst vermissen. Starke Performance, wir tanzten eine begeisterte 9 in den Staub.   Kai und Thorsten WINGENFELDER kennen wir noch als die Köpfe von FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE und aus längst vergessenen Scheunenparty Zeiten, wenn der Fury Meilenstein „Time to Wonder“ den spätabendlichen Start zu wildem Rumgeknutsche markierte und jene, die kein Mädel abbekommen haben, sich draußen vor der Scheune betrunken in den Armen lagen. Habe ich gehört. Ich war ja drinnen. WINGENFELDER überzeugten Anröchte mit deutschen Texten und starker Musik. Die Jungs wissen, was sie tun und das wurde beim BDO gebührend abgefeiert. Trotzdem nur 8 von 10 Punkte, weil diesmal ohne Knutschen.           20:15 Uhr, die Tagesschau war vorbei und bevor irgendjemand in Anröchte dem Irrglauben aufsitzen konnte, er könne in Ruhe den Supercup mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München im Fernsehen schauen (Ergebnis 2:0), rissen THE SUBWAYS auch schon das Publikum mit und die Mainstage ab. Fette 9 von 10 Punkte kamen mit der U-Bahn und waren gekommen, um zu bleiben. Chapeau! Nach B-tight ging der BDO 2019 um 22:30 Uhr in die finale Runde. Die BEGINNER waren ein würdiger Headliner. Wir gestehen: „Eigentlich“ nicht unsere Musik, war aber trotzdem geil. Von kundigen Beginner-Experten wurde uns berichtet, dass es sich um brillanten Rap handelte und da man uns das „Was los, Digga“ ohnehin nicht abkaufen würde, fassen wir unsere Eindrücke zusammen mit einem ekstatischen: „Also uns hat’s gefallen“. Echt jetzt. Der Beweis: 8,99 von 10 Punkte.            Die BDO Meute verliert sich nach den letzten Klängen von der Bühne in die dunkle sauerländer Nacht; die einen verabreden sich zum sonntäglichen Frühshoppen, andere schmieden Pläne, noch ins nächtliche Waldfreibad zu fallen, allen gemein ist jedoch das breite Grinsen im Gesicht und auch wir sagen nicht nur den Künstlern, sondern auch allen Helfern danke für ein großartiges Fest: Ihr habt in Anröchte ein buntes, starkes Festival auf die Beine gestellt, dass es schafft, trotz der Größe einen familiären und heimeligen Charakter zu bewahren und in vielen Kleinigkeiten einfach gut durchdacht und mit Erfahrung, Köpfchen und Leidenschaft organisiert wird. Daher unser Gesamturteil für den BDO 10.0: 9,9 von 10 Festivalpunkten, einfach damit noch ein bisserl Luft nach oben fürs nächste Jahr bleibt.  ht. Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie