RuhrGesichter
Legenden   leben   länger:   Bereits   seit   1986   findet   im   Herzen des   Ruhrgebietes   eines   der   größten   Musikfestivals   Europas statt.   Auch   in   diesem   Jahr   legte   „Bochum   Total“   vier   Tage lang   alles   in   Bochum   lahm,   was   nicht   feiern   wollte.   Rund   um das    Keipenviertel    „Bermudadreieck“,    in    dem    schon    so manch   ein   Bochumer   abtauchte,   um   fortan   bei   Ehefrauen und   Arbeitgebern   längere   Zeit   als   „verschollen“   zu   gelten, entwickelte   sich   in   den   letzten   Jahrzehnten   ein   großartiges „Umsonst   &   Draußen“   Festival   mitten   in   der   Stadt.   Dabei bewiesen    die    Innenstadt    -    Nachbarn    entweder    Spaß    an origineller Musik oder auch „nur“ ein ordentliches Maß an
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Legenden leben länger:

BOCHUM TOTAL

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Toleranz (nicht jeder Bochumer liebt die „Heinz“-Bühne unter seinem Schlafzimmerfenster, wenn dort spätabends die mächtigen „Kassierer“ ihre Bäuche in den Nachthimmel recken und von „Blumenkohl am Pillemann“ singen) und der Veranstalter Jahr für Jahr ein irrsinnig gutes Händchen für ein buntes „Misch“ und ein schönes „Masch“, für ein originelles „Dies“ und ein mainstreamiges „Das“ bei der Bandauswahl, so dass im Allgemeinen für Jeden was dabei ist, was aber im Konkreten nicht unbedingt für Jeden ist. Kein gutes Händchen bewies der Veranstalter bei einem Facebook Posting mit Verhaltensregeln für „arabisch-sprachige“ Besucher, das einiges an Turbulenzen und einige Bandabsagen nach sich zog.           Auch in diesem Jahr war es immer mal wieder außergewöhnlich, was die über 80 Bands und Künstler auf den Bühnen darboten. Neben rockigen und poppigen Tönen wurde auch Wortakrobaten eine Bühne geboten, es war Platz für Plattes und Tiefsinniges, Lustiges und Ernstes. Da die RUHRGESICHTER kreuz und quer über das Festival schlenderten, versuchen wir an dieser Stelle gar nicht, einen kompletten Überblick zu geben, sondern haben ein paar Fotos für unsere Leser mitgebracht, die einige Künstler, Publikum und Stimmung abbilden. Natürlich gab es auch für uns Highlights:  Die Sängerin und Pianistin Lylit etwa war uns zuvor völlig unbekannt, sie hat sich jedoch nachhaltig in unsere Gehörgänge gespielt (www.facebook.com/lylitmusic). Ebenfalls einen Besuch wert war der Auftritt von Niila, dem finnischen Musikstilvermischer, dem wir mit seinem Massenkompatiblen, aber niemals langweiligen Sound eine grandiose Karriere voraussagen (www.facebook.com/niilamusic). Niila war eine schöne Neu-Entdeckung für uns.  Keine Neu-Entdeckung, da wohl nahezu jeder Besucher des Auftritts von „The King of Heimorgel“ Mambo Kurt wusste, was ihn erwartet: Trotzdem immer wieder schön. Außer wenne nüchtern bis. Abba da kannze ja auch noch schnell watt dran ändern (www.facebook.com/mambokurtoffiziell). Ändern müssen die Organisatoren definitiv nichts an dem Dauerbrenner der Kopfhörerparties mit verschiedenen DJs, bei denen sich jeder Tänzer „seine“ Musik per Knopfdruck auswählen kann. Da die tanzenden Menge demnach zu verschiedener Musik tanzt, ist es auch ohne Kopfhörer nett anzusehen, wie polyrhythmisch und von verschiedenen Mitsingversuchen heimgesucht die Feiergemeinde in ansonstiger Stille agiert. Naja, so still es am Bermudadreieck halt maximal wird. Die Nachbarn wird die stillste Party der Welt sicherlich gefreut haben.           Definitiv völlig unstill, aber nicht stillos wurde es dann bei den Folkrockern von dARTAGNAN. Mittelalterrock war gestern, Piratenrock ist noch und Musketierrock scheint die musikalische Nische der Zukunft zu sein. Kam gut an bei der Feiermeute vor der Heinz-Bühne, schöne Geradeaus-Mucke mit Texten, über die man nicht zwingend lange meditieren muss, um sie zu verstehen und den Refrain mitzusingen (www.facebook.com/dartagnan.de).  Eine Nummer hartpunkiger wurde es auf der Coolibri-Stage, als ein paar Jungs aus Bayern den Staatspunkrott ausriefen. Einige Besucher in den hinteren Reihen hatten sich erfolgreich durch die zivilisatorische Firnis geknabbert und agierten reichlich kopflos und potentiell lebergeschädigt. Schade für sie, denn die Musik nebst Texten hat offene Ohren und bei aller Feierei ein eingeschaltetes Hirn verdient. Wer auf punkrockiges steht, sollte Staatspunkrott mal einen Besuch abstatten: www.facebook.com/staatspunkrott.             Nachdenklich und ruhig kam Frère aus Bochum daher: Der Songwriter hatte nicht das ganz große Publikum, wusste aber zu überzeugen mit seiner Wort- und Zupfkunst (www.facebook.com/frereofficial). Auf den Liedermacher Geschmack gekommen gönnten wir uns noch Jonathan Kluth (www.facebook.com/jonathankluth): Einfach schön, einfach vielseitig, einfach authentisch, einfach mal einfach, simpel, geradeaus und nie billig, mal verschnörkelt, aber sich selten in den Songs verlierend. Uns hat’s gefallen.  Schnell noch ein bisschen Town of Saints hören: Harmen Ridderbos (Vocals/ Gitarre) und Heta Salkolahti (Violine/ Vocals) haben sich Mitstreiter gesucht und beglückten Bochum als Indie-Folk Band (www.facebook.com/townofsaints). Würden wir gerne nochmal ausführlicher und Indoor erleben, mit abgeschlossenem Konzertsaal und rausgeschraubter Glühbirnendunkelheit für die optimierte Konzentrationszentrierung.  Über Culcha Candela muss man nicht mehr viel schreiben. Sie waren schon 2009 zu Besuch auf Bochums Bühnen und lieferten ordentlich das ab, was die Menschenmasse (!) vor der Bühne erwartete, offenbar hatten alle Beteiligten auf und vor der Bühne Spaß. Und das ist doch die Hauptsache. Eher unser individualmusikalisch-pathologischer Geschmack waren da die mächtigen Kassierer, die gemeinsam mit ihren vielen Freunden vor der Bühne eine bizarre Punkparty feierten und all jenen Unerleuchteten hinter den verschlossenen Innenstadtfenstern vor Augen führten, was sie verpasst haben, als Oberkassierer Wölfi unlängst dann doch nicht Bürgermeister von Bochum wurde.            Bochum Total war wieder einmal ein buntes Treiben, vielgestaltig und meistens begeisternd, manchmal auch unschön, halt so, wie man es von einem viertägigen und kostenlosen Innenstadtgroßevent am Bauchnabel des Ruhrpotts erwarten konnte. Die Organisation und das Geschehen im Hintergrund machte klar: Hier sind Profis am Werk, die auch schon ein paar Jahre Erfahrungen sammeln und sich einspielen konnten. Auf und neben den Bühnen war alles frisch, duftete nach Neuentdeckung und rockte sich lautleise durch das Bochum.  Wie viele Bochum Total Besucher das Bermudadreieck möglicherweise erst in einigen Tagen wieder ausspuckt oder für immer in seinen schaumgekrönten Bierfluten begräbt, das werden wir allerdings nie mit absoluter Sicherheit sagen können. Sicher ist nur: Es gibt keinen, absolut rein gar keinen Grund, sich nicht ab sofort auf das nächste Bochum Total zu freuen.
Überall findet sich ein Platz der Ruhe.
Teppichhändler lieben Rabatte… Selbst beim Bierverkauf…
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