RuhrGesichter Das stillgelegte Thyssen - Hochofenwerk Duisburg-Meiderich, in dem von 1901 bis 1985 Roheisen für die Stahlindustrie produziert wurde, bildet heute das Herz des Landschaftsparks Duisburg Nord. Wenn es dunkel wird über Duisburg, erstrahlt der Park in der Lichtinstallation des britischen Architekten und Lichtkünstlers Jonathan Park. Inmitten dieser grandiosen Kulisse und die Lichtinstallation einbeziehend entfaltete sich drei Tage und zwei Nächte lang die multikanale Installation des Klangkünstlers Werner Cee.

BTHVN IM LAPADU                                                     

Wie Beethovens Pastorale den Landschaftpark

Duisburg zum Klingen brachte…

Zum   250.   Geburtstag   Ludwig   van   Beethovens   inszenierte   Cee   die   Sinfonie   Nr.   6 (Pastorale),   zu   hören   an   13   Klanginstallationen   über   den   gesamten   Park   verteilt. Es   ist   den   Initiatoren   und   dem   Künstler   nicht   übermässig   vorzuwerfen,   dass anlässlich    des    Beethovenjahres    der    Komponist    mit    politischer    Bedeutung heimgesucht   wird,   so   haben   wir   in   Beethoven   nicht   nur   einen   großen   Europäer, der   die   EU   geliebt   hätte,   sondern   darüber   hinaus   einen   großen   Vorreiter   des Klimaschutzes   zu   sehen.   Keine   Frage:   Beethoven   würde   die   Grünen   wählen   und eine   EU   Flagge   im   Schrebergarten   hissen.   Abgesehen   von   seiner   tatsächlichen Liebe   zur   Natur,   ist   Beethoven   für   derlei   „Umnutzung“   ein   dankbares   Opfer,   hat   er einerseits   die   nötige   Prominenz   und   unangreifbare   Seriosität,   andererseits   kann er sich nicht wehren. Die   fragmentierte   Pastorale,   aus   der   einzelne   Motive   und   Stimmen   isoliert   an   den 13   Stationen   erklangen   und   den   Besucher   stets   neue   Klangräume   erschließen und   „erlaufen“   ließen,   wirkte   inmitten   der   Industrie   unerhört,   ungehört,   neu. Dementsprechend    glücklich    äußerte    sich    Ralf    Winkels,    Geschäftsleiter    vom Landschaftspark    Duisburg-Nord:    „Wir    sind    stolz,    dass    wir    im    Beethovenjahr dieses   außergewöhnliche   Erlebnis   im   Park   präsentieren   können.   Denn   es   ist schon   wirklich   besonders   und   sehr   speziell,   dass   in   unserer   industriell   geprägten Natur-   und   Kulturlandschaft   eine   solche   musikalische   Inszenierung   der   ‚Pastorale‘ an mehreren Stationen ihren Platz und Erlebnisraum findet.“ Tatsächlich   gingen   die   inszenierten   Klangpassagen   in   die   natürlichen   Klänge   teils harmonisch     über;     es     war     dem     Besucherohr     schlicht     nicht     möglich     zu unterscheiden,   ob   da   nun   ein   Vogel   auf   dem   Ast   oder   ein   Artgenosse   in   einem Lautsprecher   zwitschert.   Die   Klänge   erfüllten   und   belebten   den   Landschaftspark, boten   stets   neue   Perspektiven   sowohl   auf   die   Pastorale,   als   auch      auf   das   alte Hochofenwerk. Zu   den   Stoßzeiten   war   der   Landschaftspark   jedoch   dermaßen   mit   Besuchern überfüllt,   dass   -ganz   abgesehen   vom   derzeitigen   pandemischen   Geschehen,   das für   einige   Besucher   offenbar   keine   Rolle   mehr   spielte-   ein   genussvolles   Erleben der    Klanginstallationen    deutlich    erschwert    wurde.    Glücklich    die    klugen    und geduldigen    Besucher,    die    abseits    des    größten    Besucherandrangs    die    späten Nachtstunden oder, dann ohne Lichtinstallation, den Vormittag nutzten. desymphonic   –   a   symphonic   soundscape    war   im   Zusammenspiel   mit   Park   und Lichtinstallation    ein    beeindruckendes,    nach    Wiederholung    oder    Fortsetzung verlangendes     Erlebnis     und     ermöglichte     neue     Zugänge     zur     wunderbaren Pastorale. Wir   Ruhrgesichter   ergreifen   daher   den   Taktstock,   dirigieren   10   von   10   möglichen Eventpunkten    in    den    Duisburger    Nachthimmel    und    bedanken    uns    beim desymphonic   –   Team   für   diese   tolle   Nacht   und   das   Erbringen   des   Beweises: Beethoven lebt.