RuhrGesichter

Das Feuertal Festival ist ein (wieder)

eintägiges Festival, das alljährlich rund

2500 Besucher zur Waldbühne Hardt nach

Wuppertal lockt.

Nachdem    scheinbar    die    gesamte    Stadt    Wuppertal    wegen    einem Bombenhagel,     einem     Bauboom     oder     einer     wildgewordenen Abrissbirne   gesperrt   war,   machten   die   RUHRGESICHTER   ein   langes Gesicht   und   kamen   zu   spät   zum   Auftritt   von   DUNKELSCHÖN,   die immer   noch   keinen   Preis   für   den   originellsten   Bandnamen   gewinnen, allerdings   ein   sehr   schönes   aktuelles   Album   herausgebracht   haben. Was   wir   bei   der   Parkplatzsuche   durch   das   offene   Autofenster   hören konnten,   klang   ganz   gut,   reicht   aber   noch   nicht   einmal   bei   uns   für eine Konzertkritik. Hätten   wir   mal   den   Wagen   stehen   gelassen   und   auf   die   öffentlichen Verkehrsmittel   vertraut.   Oder   auf   ein   Tretboot,   denn   es   sollte   noch das   traditionelle   Feuertal   –   Wetter   geben,   natürlich   pünktlich   zum Headliner.  Zunächst   kamen   jedoch   LORD   OF   THE   LOST   auf   die   Bühne.   Ich   gebe zu:   Ich   hatte   Vorurteile.   Eigentlich   kannte   ich   nur   ein   paar   halbe „nette“   Stücke   und   Bilder   von   androgynen   Wesen,   das   alles   roch verdächtig   nach   dem,   was   im   Jahr   1880   (in   meiner   Jugend)   der Glam    Rock    war    und    später    dann    Europe    und    Co.    an    Hardrock lieferten,      während      ich      Slayer      cool      fand.      Nur      eben      im Gothicmetalgewand   als   Fields/Manson-Verschnitt.   Warum   Mädels   so sehr   auf   Kerle   stehen,   die   optisch   ihre   beste   Freundin   sein   könnten und   nicht   auf   echte   dicke   Männer   mit   Bartwuchs,   bleibt   mir   ein neidvolles    Rätsel.    Auf    der    Bühne    standen    dann    allerdings    coole Typen,   die   klasse   und   vor   allem   vielseitige   Musik   machten   und   das, was    sie    machen    wollten,    auch    machen    konnten.    Was    ja    unter Musikschaffenden   bei   weitem   nicht   selbstverständlich   ist.   Ja,   Lord   of the Lost haben den Ungläubigen bekehrt.
© Ruhrgesichter

Wasser im Feuertal

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Das   aktuelle   Album   ist   nun   meins   und   der   Silberling   fräst   sich   im   Endloslauf   in   meinen   CD   Player.   Mit dem   Ende   des   Gigs   von   Lord   of   Lost   berichtete   eine   Bekannte   das   erste   Mal,   dass   die   Damentoiletten nur   noch   schwimmend   erreichbar   seien.   Ich   hob   meinen   Blick   in   den   Himmel   und   sah   nur   einige unschuldige    dunkle    Wolken    vorüberziehen.    Am    Regen    lag    es    also    nicht.    Ich    weiß    nicht,    ob    die Toilettensituation   ebenfalls   zu   den   traditionellen   Ritualen   der   echten   Feuertaler   gehört;   habe   jedoch   den Auftrag   an   dieser   Stelle   anzumerken,   dass   diese   Zustände   durchaus   zu   beheben   sind.   Wenigstens   einen Tretbootverleih und die Vermietung von Stelzen hätte man erwarten können. Das   Gelände   wurde   von   den   Veranstaltern   schließlich   aber   doch   sauber   übergeben,   da   Petrus   später auch noch einmal kräftig durchgekärchert hat. Moderator   Eric   Fish   leitete   wie   stets   gekonnt   über   und   griff   bei   seinen   Ansagen   auch   immer   wieder   zur Gitarre. Die Ankündigung der Kollegen von Tanzwut geriet wie immer, ähem, „speziell“. TANZWUT    spielten    mit    ihren    beiden    Kumpels    Routine    und    Spielfreude    einen    tollen    Set,    brachten ordentlich   Bewegung   ins   Feuer-   und   Feiervolk   und   es   macht   auch   nach   gefühlten   tausend   besuchten Konzerten   immer   noch   richtig   Laune   ihnen   zuzuhören   und   zuzuschauen.   TANZWUT:   Da   ist   der   Name   halt Programm. So   auch   bei   FEUERSCHWANZ.   Die   Musik   ist   cool,   die   Texte   zotig,   die   Show   witzig.   Mittelalter-Ballermann- Mucke?   Die   Könige   von   Mallorcatal?   Hab   ich   nicht   gesagt,   war   ein   Typ   beim   Bierstand.   Dem   Publikum gefiel   es,   mir   beinahe   auch.   Ich   war   schlecht   vorbereitet,   also   nüchtern.   Trotzdem:   Cool   gemacht,   live absolut sehenswert und sympathisch. Die   alten   Haudegen   von   KORPIKLAANI   fotografiere   ich   immer   wieder   gerne.   Geht   einfach,   da   die   sich nicht   soviel   bewegen   auf   der   Bühne.   Die   Waldbühne   wurde   amtlich   gerockt,   es   kam   wieder   Bewegung   in die   Feuertaler   vor   der   Bühne   und   über   die   musikalische   Qualität   der   Kapelle   muss   man   ja   kein   Wort mehr verlieren. Großartig, auch wenn der Sound zwischenzeitlich etwas verbesserungsbedürftig war. Dann   gab   es   Gelegenheit   bei   einem   Pilsgedeck   –   also   ´nem   Bier   und   ´nem   Flammkuchen   (vegetarisch mit   gewaltfrei   geernteten   Pilzen)   -   den   kleinen   Mittelaltermarkt,   der   zum   Festival   gehörte   zu   erkunden. Dort   spielte   in   den   Pausen   Albi   von   Fiddlers   Green   auf   einer   kleinen   Bühne.   Zunächst   stand   er   auf   der Bühne und sein Auditorium verharrte lauschend davor. Dann   kam   die   Sintflut   und   da   kein   Depp   an   eine   Arche   gedacht   hat,   verschlammte   der   Boden   und ermöglichte    zahlreiche    neue    Spiel-    und    Bewegungsmöglichkeiten    für    diejenigen,    die    bereits    etwas Alkohol   genossen   hatten   und   jene,   die   ohnehin   immer   jeden   Scheiß   mitmachen,   was   sie   –   aus   welchen Landen   sie   auch   angereist   sein   mögen   –   zu   Ehren–Ruhrgesichtern   auf   Lebenszeit,   mindestens   aber   bis zum   nächsten   Feuertal,   macht.   Allerdings   wechselte   nun   das   Auditorium   von   Albi   vom   Platz   vor   der Bühne   sehr   schnell   auf   die   Bühne,   die   durch   ein   Dach   geschützt   wurde.   Albi   wurde   jedoch   weiterhin   im Trockenen   geduldet,   solange   er   nur   weiterhin   zur   Gitarre   sang.   Ein   besonderer   Moment   an   einem besonderen Tag. Klasse! MONO   INC.   kamen   mit   einem   amtlichen   Knall   auf   die   Bühne   und   spielten   sich   durch   einen   Querschnitt ihres    über    die    Jahre    angewachsenen    Repertoires.    Knapp    neunzig    Minuten    gaben    sie    alles    und begeisterten   das   Publikum   restlos.   Mehr   ist   dazu   gar   nicht   zu   sagen.   Über   Musik   schreiben   ist   bei   einem perfekten   Gig   immer   so,   wie   einem   Wüstenbewohner   Schnee   zu   beschreiben.   Ihr   kennt   die   Musik   von MONO   INC.,   was   soll   ich   also   schreiben?   Vielleicht   eins   noch:   Die   Tatsache,   dass   (fast)   niemand   vorzeitig das   Areal   verlassen   hat:   Angesichts   von   gefühlten   666   Litern   Wassersäule   und   mehreren   kollidierenden und   kopulierenden   Regenwolken   ist   das   zumindest   mal   sehr   außergewöhnlich   und   sicherlich   zu   101% der Band zu zuschreiben. FAZIT:   Gerne   wieder,   ein   großer   Festivaltag.   Da   ich   ja   nun   einige   Bräuche   kennengelernt   habe   und   vom Regen-Abo des Festivals weiß, erkennt ihr mich im nächsten Jahr am Lord of the Lost Regenschirm.