RuhrGesichter

Die  

Früchte  

riefen  

zum  

jährlichen  

Tanz  

und  

alle

kamen    

zum    

großen    

Obstsalat:    

Das    

größte

Electronic-   

und   

Independent-Musikfestival   

im

Sektor,    

das    

Juicy    

Beats    

im    

Westfalenpark

Dortmund  

zählt  

für  

viele  

der  

Besucher  

zu  

den

absoluten  

Highlights  

des  

Jahres,  

so  

dass  

auch

weite  

Anreisen  

in  

Kauf  

genommen  

werden.  

  

Der  

  

 

gute   

   

   

Ruf   

   

   

des   

mittlerweile   

zweitägigen

Festivals    

kommt    

nicht    

von    

ungefähr:    

Eine

bunte,  

aber  

nie  

beliebige  

Künstlerauswahl,  

die

gute    

Organisation    

und    

    

–natürlich-    

    

die

unfassbar chillige Location:

© Ruhrgesichter

2017er JUICY BEATS: Friedlich & fruchtig

Die Besucher spazieren von Bühne zu Bühne, lassen sich zwischendurch einfach  auf  die Wiese fallen und dösen etwas, spielen Fußball oder tanzen auf  den zahlreichen Floors. Der Musikstilmix von Independent Rock über Weltmusik bis Elektro und ein riesiges DJ Programm haben sich seit  über zwei Jahrzehnten bewährt und machen jedes Jahr wieder Spaß, zumal auch in diesem Jahr wieder der Spagat zwischen internationalen Superstars und regionalen Künstlern geschafft wurde. Ebenfalls für das Juicy Beats eine Selbstverständlichkeit, bei vielen anderen  Festivals jedoch Mangelware,  sind  die zahlreichen kostenfreien Trinkwasserstellen  für  die Besucher, die  nicht ausschließlich mit           tiefgefrorenem Lutschvodka (mit viel Farbe und Zucker) oder den Bierstadt - Klassikern über den Abend kommen. Außerdem positiv: Die Spielmöglichkeiten und die Hüpfburg für Kinder.   So war es auch nicht verwunderlich, dass der Westfalenpark wieder einmal rappelvoll war. Das Tolle an dem riesigen Park: Auch bei ausverkaufter Veranstaltung umweht das hochkarätig besetzte Festival noch immer eine gemütliche, familiäre Atmosphäre; auch wenn einige der Fans aus den Gründungstagen des Festivals beklagen, dass aus dem           kleinen Musiktreffen von einst ein riesiges, gut organisiertes und (welch böses Wort) „kommerzielles“ Event geworden sei. Wir haben vor Ort sogar gar  nicht so selten die kritische Meinung gehört, dass Musiker ihrer Tätigkeit ja schließlich nachgehen würden, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten und es daher unanständig wäre, mit der Musik auch noch Geld verdienen zu wollen. Gleiches gelte für Veranstalter, die entweder ehrenamtlich arbeiten sollten oder sich eben das Etikett „geldgeil“ redlich verdient hätten. Wir werden uns bis zum nächsten Juicy Beats ein Jahr lang zur Innenschau zurückziehen und unsere Köpfe rhythmisch gegen eine Bassbox schlagen, um diese Argumentation nachvollziehen zu können. Bislang sind wir selbst wahrscheinlich zu tief in den Spinnennetzen des Kapitals verstrickt… Rund 50000 Fans pfiffen auf diese Unkenrufe und           erst recht auf das verregnete in den Juli verirrte Aprilwetter im Vorfeld der Veranstaltung und hatten nur eine Wochenend – Mission mit Wasserpistole und handlicher Seifenblasenfabrik: Spaß haben und gemeinsam feiern.   Rund 15000 Fans bevölkerten bereits am Freitag den Park, lauschten vielseitiger, meist richtig guter Musik und feierten "ihre" Party. Am Samstag tanzten rund 32000 Fans im weitläufigen Park vom Mittag bis tief in die Nacht, zzgl. der Nutzer der Zaunkarten. Die Besucher tanzten vor und zwischen den Bühnen,  nur einige  Besucherinnen  schienen den gesamten   Festivaltag  in  den langen Schlangen vor den Toiletten zu verbringen, auch wenn von Jahr zu Jahr die Anzahl der Toiletten aufgestockt wird, ist dieses Thema noch immer nicht ausreichend „erledigt“, bot aber durchaus amüsante Neuerungen: Konnte man doch eine 6er Karte mit Rabatt für das (nicht so stille) Örtchen erwerben.            Die Wartezeiten bei den Einlasskontrollen hielten sich trotz intensiver terrorgefahrbedingter Turnbeutelschau in erträglichen  Grenzen. Die erweiterte Verbotsliste sorgte bei einigen Besuchern für Diskussionsbedarf im Vorfeld, wollten  doch manche offensichtlich gern auf ihrem Pony durch den Park galoppieren, sich dabei mit einer Drohne filmen, und schließlich bei einem Spanferkel ein Gelage vor der Mainstage abhalten. Anders ist die Aufregung bei einigen Besuchern nicht zu verstehen. Positiv: Trotz der ewiggleichen Diskussion auch im Einlassbereich lief alles friedlich und mit viel Humor ab. Offenbar gehörte zur Grundausstattung der Security Mitarbeiter am Eingang ein ordentlicher Riegel Johanniskraut und ein Schluck Baldriantee, jedenfalls sorgten sie zügig und freundlich maßgeblich dafür, dass der Einlass schnell und oft unterhaltsam von statten ging.   Deppenzepter (Selfie Sticks) waren in diesem Jahr erstmals aus Sicherheitsgründen untersagt. Was für eine Wohltat; denn natürlich ist sich unser Festival Fotograf ganz sicher, dass „damals alles besser war“ (in seiner Jugend kurz nach dem Kartoffelkrieg): Auf Festivals wurde noch im Dreck getanzt, gesoffen, geraucht, Drogen genommen und gevögelt (wir sind da nicht so sicher, ob nicht doch Wunschdenken in seine "Erinnerungen" hineinspielt). Heute wird mit dem Smartphone gefilmt. Bis letztes Jahr hauptsächlich Bands und Freunde. In diesem Jahr filmt frau sich gerne auch ausschließlich selbst und geht mit einigen Stunden Filmmaterial von sich selbst mit einer Bühne im Hintergrund heim. Wir konnten dieses verwirrende Geschehen bereits bei einigen Veranstaltungen in diesem Sommer beobachten. Früher war die Festival Welt bunt. Heute hat sie 18 Megapixel. Unter diesem Gesichtspunkt: Ein Hoch auf das Selfie Stick Verbot, zumal die Besucher sich die           Sticks zu späterer Abendstunde auch nicht spontan über den Schädel ziehen konnten, sondern im Streitfall erst mal im Unterholz inmitten der anderweitig unterholzaktiven Besucher nach geeigneten Schlagwerkzeugen fahnden mussten, was dem geneigten Kontrahenten in der Regel zu ausreichend Flucht - Vorsprung verholfen hat.   Soviel zum Leben in den Gebüschen. Was tat sich denn nun auf den kleinen Floors und großen Bühnen?   Natürlich machte das zum DJ-Pult ausgebaute Tuk Tuk wieder an wechselnden Orten im Park halt.    Der Mann mit der Pandamaske „Cro“ ist Deutschlands erfolgreichster Rapper und war einer der vielumjubelten Hauptacts bei seiner einzigen NRW-Show in diesem Festivalsommer. Am Radio für unsere Rocker – Ohren nicht zu ertragen. Live auf der großen Bühne: Großartig.   Die Rapper Alligatoah, Sudden, DNP und Pimpulsiv sind als „Trailerpark“ eine Naturgewalt, die unter der Gürtellinie wütet und auch im Kopf Spuren hinterlassen kann. Clever gemachte, unterhaltsame Musik mit gewohnt großartig geschmacklosem Bühnenbild, wie geschaffen für die große Festivalbühne und tausend Mitsing-Kehlen.  Der Trailerpark Auftritt war zweifelsfrei einer der großen Höhepunkte des Festivals.   SSIO strahlten das aus, was wir an dieser Musik so lieben: Jeder dritte Griff auf der Bühne geht zum Durchzählen an die eigenen Klümpchen, die Texte sind rotzig und voller Klischees. Und dann war da noch die tapfere Mutter, die von ihrer Tochter in die erste Reihe genötigt worden war und ihr Töchterchen entsetzt dabei bestaunte, wie sie das "Ich sag Piss, ihr sagt..." von der Bühne mit einem wiederholt herzhaften "...Strahlen" beantwortete und bei der SSIO Fahndung nach "Miezekatzen" im Publikum alle Mühe hatte, ihre Tochter nicht auf die Bühne entschwinden zu sehen.     Tobi Tobsen und KoweSix sind als Moonbootica einer der erfolgreichsten Elektro-Exporte Hamburgs. Ihr Motto: Liebe zur Musik, Liebe zum Exzess, Liebe zum Abriss: “Free your ass and your mind will follow!” Dem können wir nichts hinzufügen.            Mit rauer, kratziger Stimme sang der 22jährige Faber Protestsongs, die in ihrer Nachdenklichkeit irgendwie so gar nicht auf ein großes „Gute Laune Festival“ passen, sich jedoch am Sandstrand beharrlich Raum schaffen und auch ein großes Publikum zum Zuhören bewegen können und damit für großartige, zerbrechliche Augenblicke sorgten.            Die Mädels von SXTN kümmerten sich von der Bühne aus aufopferungsvoll um die sexuelle Befreiung des Publikums, während das Jugendamt Dortmund am Stand hundert Meter entfernt an der Aufklärung desselben arbeitete. Dort hörten wir auch den Satz des Tages: "Weiß einer, wo der schwarze Penis ist?". Aber zurück zu SXTN: Neben uns witzelte ein Mittvierziger, dass er Tic Tac Toe schon immer cool fand, aber Jazzy auf der Bühne vermisse. Währenddessen sangen SXTN "...ich ficke Deine Mutter ohne Schwanz..." und ein Haufen minderjähriger Mädels grölte in der ersten Reihe "Die Fotzen sind wieder da", wobei gleich mehrere der älteren Fotografen im Bühnengraben mit einen Lachanfall zu kämpfen hatten und der eine oder andere für seine eigene Tochter zum nächsten Juicy Beats über eine Ausgangssperre nachgedacht haben dürfte.   Ein Highlight des Samtags waren natürlich SDP, die sichtlich und hörbar keinen Bock auf Gangsta Rap hatten und die brodelnde Menschenmasse nochmal gutgelaunt aufkochten, bis das Partyvolk Blasen geworfen hat.   Richtig gemütlich wurde es an der 2nd Mainstage, als die Mighty Oaks ihre Lagerfeuerromantik versprühten. Die Band war sichtlich erfreut, dass auf einem Elektronik Festival so viele Fans vor ihre Bühne geströmt waren und ermutigten die Anwesenden, einen Menschen neben ihnen auf die Schultern zu nehmen. Unser dicker Fotograf versuchte verzweifelt, die elfenhaft zierliche Gestalt neben ihm zu überzeugen, ihn auf den Schultern zu tragen; vergeblich... Stattdessen sang man gemeinsam laut und falsch mit. Schön. Zwei Stücke veganen Apfelkuchen mit Weizenbier später traf man sich bei der leicht verarmten Wall of Death vor der Mainstage Bühne wieder, so vielseitig kann das Juicy Beats sein.            Wir besuchten wieder die Poetry Stage am Seerosenteich, die mittlerweile den „Geheimtipp Status“ weit hinter sich gelassen hat und sich wachsender Beliebtheit erfreut: Tobi Katze, Hannes Weyland, Björn Rosenbaum, Henrike Klehr, Johannes Floehr und Luca Swieter unterhielten das Publikum mit Leidenschaft, Witz und Poesie.   Vom Pfingst Open Air in Essen kennen wir bereits Giant Rooks aus Hamm. Eine Prise eingängige Rockpopsongs mit einer Scheibe Melancholie, dargeboten von richtig guten Musikern. Geht ins Ohr, bleibt im Kopf. Oder so.   Unser persönlicher Samstags Headliner spielte jedoch ganz zu Beginn zur besten Mittagessenszeit: Botticelli Baby sind eine siebenköpfige Band um Frontsänger Marlon Bösherz (bitte, bitte, lasst das einen Künstlernamen sein) und haben die Gabe, vom Vorabend noch müde Festivalbesucher in Bewegung zu versetzen. Hot Jazz, Gipsy Swing, Blues- und Balkan-Mucke garniert mit rotziger Energie: Wäre das Juicy Beats ein Wettbewerb, dann hätten Botticelli Baby als krasser Außenseiter den Titel geholt. Unser Festival Fotograf ist noch immer hin und weg und lieferte entsprechend verwackelte Aufnahmen...            Beide   Festivaltage   klangen   neben   einigen   After   Show   Partys   mit   Silent   Discos und 3.000 Kopfhörern aus. Auch nach vielen  Jahren sind  diese Kopfhörer Partys  noch immer eine  grandiose  Idee  und  ein Spaßgarant,  wenn jeder Besucher  die Musik via Kopfhörer ins Ohr geträufelt bekommt und selbst zwischen verschiedenen live DJs umschalten kann. Einige der Ordner waren so fasziniert davon, der    tanzenden,  stillen  Menschenmenge  zuzuschauen, dass  selbst die letzten Stunden ihrer langen Schicht schnell vorüber gingen.   Es   war   alles   da,   was   das   Juicy   Beats   so   einzigartig   macht:   Eine absolut   entspannte   Atmosphäre,   vielseitige   Band-   und   DJ-Auswahl, die Kreativ Meile, Poetry Slammer, ein   tolles,   gemischtes   Publikum vor den Bühnen, auf den Floors, flanierend im Park, auf der Kreativmeile, tanzend, trinkend oder Blumenkränze flechtend, ein paar fruchtige Kinder der Liebe werden sicherlich auch im Mai 2018 das Licht der Welt erblicken. Bemerkenswert war wieder einmal die gute Organisation, was angesichts  einer  solchen  Mammutveranstaltung  mit rund 200 internationalen Bands und Einzelkünstlern  schon  die  ganz große Kunst ist. Es macht einfach Spaß, über das grüne, weitläufige Gelände zu spazieren und auf den zahlreichen großen und kleinen Bühnen zwischen Seebühne, Turmrestaurant und Schachplatz neue Künstler für sich zu entdecken.   Fazit: Ein großartiges Fest! 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