RuhrGesichter

Juicybeats 2018: Alle Hände voll zu hören. 

53.000     

feierwütige     

Früchtchen,     

über     

200

Künstler,         

20         

Floors         

und         

Bühnen,

Gewitterwarnung,  

Hitze,  

Mucke:  

Damit  

könnte

eigentlich  

alles  

zum  

diesjährigen  

Juicy  

Beats  

im

Dortmunder Westfalenpark gesagt sein.

Aber  

das  

wäre  

doch  

irgendwie  

nicht  

genug  

für

eine umfassende Obstsalat Nachbesprechung.

JUICY BEATS 2018

Wie in jedem Jahr seit nunmehr zwei Jahrzehnten lockten nicht nur die Stars der Szene(n) an beiden Veranstaltungstagen in den Westfalenpark, sondern auch Newcomer und Lokalmatadore wollten entdeckt und gefeiert werden. Wer das Juicy Beats „nur“ als großes Festival für elektronische Musik begreift, wird dem Gesamtkonzept nicht (mehr) gerecht: Längst haben auch rockige und akustische Klänge ihren Platz neben Jazz und Reggae gefunden, die man sonst unter all den Hip-Hop und House Größen nicht vermuten würde. Das Juicy Beats hat sich seit den Gründungstagen 1996 zu einem nahezu (!) perfekt organisierten, großen Festival entwickelt und sich dennoch seinen ganz eigenen Charme und die Verankerung in der Region bewahrt. Ein größeres Lob kann man dem Veranstalter eines solchen Mammut Events nicht machen.   Manche Besucher kamen auch beim Juicy Beats 2018 ausschließlich wegen der einzigartig chilligen Atmosphäre in den weitläufigen Park, lauschten den meist lustigen und manchmal hintergründigen Texten an der Poetry Stage, flanierten zwischen den Bühnen und beobachteten das Live Graffiti, frästen sich durch die Fressmeile, tanzten ein paar Schritte zur Verdauung, fuhren Autoscooter, tauchten ins Bällebad, kraxelten am Kletterturm, spielten ein paar Bälle beim Soccerpool und ließen sich nächtens von Kurzfilmen an der Seebühne unterhalten. Damit niemand beim Wandeln im Park verloren ging, war wieder alles durch das „Fruchtleitsystem“ beschildert. Von allen Seiten war dabei Musik zu hören, Funk, Drum’n’Bass, House, Hip Hop, Rock… Und diese Musik war natürlich wieder der Magnet für die meisten Besucher: Kraftklub, SXTN, Feine Sahne Fischfilet, 257er und unfassbar viele mehr heizten an den unterschiedlichen Bühnen amtlich ein und gaben der sonnerverbrannten Feiermeute den Rest.  Aufgrund der großen Hitze hatten die Veranstalter die über den Park verteilten Wasserstellen zur kostenlosen Entnahme von Trinkwasser nochmals erhöht und da alles was rein geht, auch wieder raus muss, auch die Toilettensituation zum Vorjahr deutlich verbessert, jedoch gibt es hier immer noch Luft nach oben. Abkühlung versprachen auch die bis zu 20 Meter hohen Wasserfontänen am Flamingoteich. Mindestens ein Partygänger unterschätzte jedoch zur lautstarken Freude seiner Begleiter den Wasserdruck und ahnt nun, was ein Einlauf ist.           An der Mainstaigebegeisterten als Headliner die 257er, auch Trettmann, die Editors und Kontra K wussten zu begeistern. Feine Sahne Fischfilet rockten amtlich und sind nun wirklich keine Band, denen man vorwerfen könnte, sich nicht klar genug politisch zu positionieren. Unabhängig davon, ob man jedes ihrer Statements unterschreiben würde: Die Band macht Spaß, zeigt Haltung und bringt die Energie auf die Bühne, die einigen etablierten Punk Rockern Anfang der 90er abhanden gekommen ist. Ob nun Weekend, Mavi Phoenix, Dub FX, der mit seinen Dub Sounds die coolste 1-Personen-Kombo der Welt bildet: Hier kam jeder auf seine Kosten. Querbeat brachten kölsche Stimmung, Kitschkrieg und die Arabic Reggae Band Bukahara zeigten wie musikalisch offen dieses Festival ist.  Das DJ Tuk-Tuk kurvte diesmal nicht wie in den Jahren zuvor durch den Park, sondern hatte erstmals einen eigenen „festen“ Floor.  Auf der Dortmund.Macht.Lauter.Stage. begann der Festivalfreitag für uns mit der Hannes Weyland Band mit erdigem Singer/Songwriter-Pop aus dem Ruhrgebiet. Nach diesen ganz starken, bodenständigen Klängen ging es weiter an den Sandstrand zu Team Rhythmusgymnastik, die wie zuvor beimParookaville nun auch im Westfalenpark angetreten waren, die versammelten Früchtchen zu zerlegen. Der Versuch ist erfolgreich gelungen; das top motivierte Publikum ließ sich zu schweißtreibenden Sporteinheiten animieren. Da wir einige der erotischen Fotografien, die wir im Rahmen des Auftritts von Bleibtreuboy fertigten, unmöglich online zugänglich machen können, werden wir diese ausschließlich auf dem Schwarzmarkt handeln. Interessenten treffen sich jeweils Dienstags um Mitternacht im Fredenbaumpark am Bootsverleih :).            Im Zeichen der Zitrone stromerten wir bei der wunderbaren handgemachten Musik von Nepomuk vorbei, eins-zwei-Ausfallschritt-noch schnell ein Bier und dann zum Hip-Hop Duo SXTN aus Berlin an der Mainstage für den amtlichen Kulturschock. SXTN sangen genau die Texte, die so manch ein Elternohr bei den Fans zuhause zum Bluten bringen dürfte. Den Fans gefiel es, unserem Fotografen auch, also alles gut. Unter „Loch ist Loch“ – Gesängen bildeten sich diverse „Moshpits“, das Feiervolk hatte Spaß. Ob es nun die allerbeste Idee ist, seinen Rollifahrerkumpel zum Crowdsurfing über die Massen zu schieben, sei dahin gestellt. Darauf hingewiesen, dass er ja irgendwann bei den Ordnern am Graben ankommen wird und ohne seinen Rollstuhl vielleicht Probleme bei der Fortbewegung bekommen könnte, dachten seine Kumpel kurz nach und fanden rappzapp die perfekte Lösung: So begab sich ein leerer Rollstuhl auf Crowdsurfing – Reise. Ob er seinen Besitzer jemals eingeholt hat? Wir wissen es nicht.                     Bevor es zum Silent Disco Battle ging, zerlegten noch die Chemnitzer Indie Pop Heroen von Kraftklub die Mainstage. Musikalisch vielseitig und „erwachsen“, trotzdem eingängig und sehr unterhaltsam: Ein würdiger Headliner. Ganz am Rande: Die Tanzcrew, die Kraftclub im Gepäck hatten, waren nicht nur nett anzuschauender Hintergrund, sondern wirklich gut. Großes Lob an alle Beteiligten, ob mit oder ohne Instrument: Das war episch. Kraftklub hinterließen also folgerichtig eine verschwitze, klumpige Fruchtmasse, die in Richtung Campingplatz, Öffis und Parkplatz floss in der Hoffnung über Nacht Kräfte sammeln zu können. Denn auch am Samstag gab es alle Hände voll zu tun und alle Ohren voll zu hören.                    Leider verkürzte uns die Dortmunder Polizei die Nachtruhe noch um 90 Minuten Stauspaß mit dem in dieser Form nicht nachvollziehbaren Versuch, die B1 Richtung Unna von 3 Spuren auf eine Schritttempo – Spur zu verengen, um Personenkontrollen durchzuführen.   Nach kurzer Nacht und einigen Dosen Red Bull mit Kaffee starteten wir den Samstag mit stets skeptischem Blick auf die prognostizierten Gewitterwolken am Himmel. Vom DJ Autoscooter spazierten wir los, lauschten dann Weekend an der Wiese am Sonnensegel, rauschten kurz bei Neonschwarz vorbei, um endlich Bingolinchen zu erreichen und unsere Bingo Skills zu verfeinern. Wer hier einige Gesichter und die Unterwäsche vom Team Rhythmusgymnastik wiederzuerkennen glaubte, täuschte sich nicht.           Wir tranken zwei Red Bull Kaffee und zogen zu Querbeat am Sandstrand, wo schon reichlich kölsches Karibikflair herrschte, und zu Karnevals - Brasspop ließ es sich wunderbar feiern. Erfreulicherweise hatten die Bässe aus der grünen Lunge Dortmunds bis auf zwei kurze erfrischend – willkommene Schauer die Gewitterwolken gänzlich vertrieben. Auf der Wanderung (puh!) zum Spatengarten wehten coole Sounds von Mavi Phoenix herüber und begleiteten uns zu Walking on Rivers. Die Dortmunder Indie Folker begeistern uns jedes Mal aufs neue und es ist Ihnen mit ihrer wunderbar chilligen, erdigen, gefühlvollen Musik gelungen, zum Geheimfavoriten unseres Fotografen aufzusteigen. Und wir wissen alle, dass es durchaus zahlreiche hochkarätige Mitbewerber um die Ohrengunst unseres Fotografen gab beim Juicy Beats!           Derart geerdet waren wir gut vorbereitet für die malerische Poetry Stage am malerischen Seerosenteich mit der malerischen Felicitas Friedrich. Wer nicht da war: Googelt die Dame mal und entdeckt sehr schöne, vielschichtige Texte. Wer mal die Gelegenheit hat, sie lesen zu hören, ob auf der Bühne oder in der Straßenbahn: Ergreift sie. Die Gelegenheit. Außerdem rudert niemand so schön mit den Armen beim Lesen.           Open Minded (danke für das Teilen Deiner Gedanken, Felicitas Friedrich!) trödelten wir zu Bukahara und lauschten den psychedelischen Swing Balkan Reggae Oriental Jazz; mit einigen Besuchern waren wir uns einig: Das Juicy Beats muss dringend auf eine ganze Woche ausgedehnt werden, um den zahlreichen akustischen Blumen „am Wegesrand“ auch die verdiente Aufmerksamkeit schenken zu können. Dub FX ist eine großartige Onemanbeatboxingsoundmachine mit der Lizenz zum Looping. Muss man hören, kann man nicht erklären. Einzigartig.           Die Indie Rock Band Editors läuteten mit ihrem Set an der Festwiese den Endspurt des diesjährigen Juicy Beats ein, dann schnell noch einen Red Bull Kaffee am Sandstrand zu Shishko Disco mit einigen Musikern von Bukaharaund ab zu Feine Sahne Fischfilet an der 2nd Mainstage. Leider zeitgleich feierten 257er an der Mainstage mit ihrer Gute Laune Mucke.                    Wir tanzten ungelenk noch etwas beim Silent Disco Clash zu Böhmermanns Spezi Larissa Riess und anderen, besuchten Oma Doris und Adam Berecki an der Turmterrasse, erreichten mit letzter Kraft nächtens um zwei Uhr das Kurzfilmfestival an der Seebühne, drückten uns an einem akrobatischen Beischlafversuch eines Pärchens (im Stehen! Also beide…) vorbei und vollzogen schon wenig später unseren eigenen Schlaf (ohne vorhergenes „Bei“), so dass wir unmöglich über die Inhalte der Filme berichten können und auch nicht ganz sicher sind, ob ein Kurzfilmfestival überhaupt stattgefunden hat.  Gefühlt werden wir diesen Bericht also irgendwann Ende August fertigstellen können, wenn wir uns ausreichend von diesem anstrengenden, tollen Fruchtsalat erholt haben. Aber was sollen wir sagen: Es gab alle Hände voll zu hören und das war gut so. Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie Hier geht es zur Bildergalerie