RuhrGesichter

Laibach  

live  

im  

Junkyard  

Dortmund:  

"Einsamer,  

du  

gehst  

den

Weg  

zu  

dir  

selber  

und  

an  

dir  

selber  

führt  

dein  

Weg  

vorbei,  

und

an deinen sieben Teufeln." (Zarathustra, Nietzsche)

Also sprach Zarathustra

Auf dem Gelände eines ehemaligen Schrottplatzes entstand 2016 der Junkyard als „Eventlocation“ für Kunst und Kultur; nun erklommen dort Laibach mit ihrem aktuellen Programm „Also sprach Zarathustra“ die Bühne. Ich nehme es vorweg: Ort, Musik und Produktion passten perfekt zueinander. Gegen 20 Uhr begann eine einstündige sphärische Endlosschleife zu leichtem Lichtflackern auf der Bühne, die einige der Laibach-Neulinge dazu verleitete, die ganze Stunde auf die Bühne zu starren, im Glauben, es handele sich um ein knappes Intro.   Sänger Milan Fras bestritt die Arbeit am Mikrophon zunächst allein, bis er Mina Spiler zu „Vor Sonnen-Aufgang“ die Bühne überließ. Laibach erfanden sich mit der aktuellen Produktion nicht neu, kehrten aber ein Stück weit zu ihren Ursprüngen zurück, was vor allem jenen im sehr gemischten Publikum gefallen haben dürfte, denen die poppigen letzten Alben zu wenig überraschendes boten. Von Avantgarde oder zeitgemäßer Provokation ist das mittlerweile alles ein gutes Stück entfernt; vielleicht ist dies aber auch nicht (mehr) der Anspruch von Laibach. Die Musik wurde geschrieben als Theatermusik für eine Performance des slowenischen Anton-Podbevšek-Theaters und den Theatermusik – Charakter hörte man ihr auch an: Es dominierte ruhige Neoklassik, die sich mit glasklarem Sound erstaunlich harmonisch neben bedrohlichem Dark-Ambient wiedergefunden hat. Die Rezitationspassagen von Sänger Milan Fras arteten nie zu einer Lesung aus, sondern bleiben zersplitterte Fragmente aus Nietzsches Zarathustra.   Beim Laibach Konzert im Junkyard gab es wie bei Laibach üblich wieder viel zu sehen, die Film-Einspieler auf den Leinwänden und dem Mauerwerk des Junkyard waren mehr als nur ein Bilderschleier, sondern unterstrichen und überhöhten mit ihrer Symbolsprache die Klangteppiche. Laibach waren in den vergangen Jahren nicht nur in Nordkorea zu Gast, sondern waren häufig im Ruhrgebiet zu sehen. So finden sich im wilden Publikum - Mix im leider bei weitem nicht ausverkauften Haus erfahrene Laibach-Haudegen und Neulinge. Die neuen Stücke, die alles andere sind als Live Partymusik, funktionierten live erstaunlich gut. So gut, dass die Band auf die bekanntesten Stücke aus ihrem langen und sehr vielseitigem Schaffen seit ihrer Gründung im Jahr 1980 verzichtete, auch auf „B Mashina“ oder „Tanz mit Laibach“. So endete nach rund 90 Minuten ein Abend mit begeisternden Momenten, eine Entdeckungsreise zu den neuen alten Laibach, die nie zu einem „Best of“ wurde. Es hat uns gefallen.   Wir entrollen die Flagge mit dem Laibach Kreuz, in dessen Mitte wir 8,5 von 10 möglichen Live – Punkten für unsere gefürchtete Konzert Wertung vergeben, ziehen den Hut und bedanken uns bei den Künstlern für den inspirierenden Abend und bei den Verantwortlichen des Junkyard für die beeindruckende Location.   "Der Mensch ist ein Seil, eine Brücke, ein Übergang und ein Untergang.“ (Zarathustra, Nietzsche)    Bildquelle: Pressebild Laibach