RuhrGesichter Als Heinrich Ignaz Franz Biber, einer der größten Geiger seiner Zeit, um das Jahr 1674 seine Mysteriensonaten für Violine und Basso continuo schrieb, erschuf er nicht nur sein bekanntestes, sondern auch ein seiner Zeit weit vorausgreifendes Werk. Und das, obwohl die Sonaten ursprünglich gar nicht veröffentlicht, sondern lediglich in  den Besitz des Salzburger Erzbischofes überreicht wurden.

Mysteriensonaten                                                      

in der Turbinenhalle Bochum / Ruhrtriennale

Die     Mysteriensonaten     korrespondieren     mit     den     fünfzehn     Mysterien     des Rosenkranzes   und   erklingen   entlang   der   drei   Stadien   der   Jesus-   Geschichte:   Dem »freudenreichen«,      dem      »schmerzensreichen«      und      dem      »glorreichen« Rosenkranz.    Stück    für    Stück    wird    die    Violine    weiter    verstimmt    –    eine faszinierende,     seinerzeit     unverstandene     Besonderheit,     die     ungewöhnliche Resonanzverhältnisse,     interessante     Spannungsverhältnisse     und     klangliche Reibungen erzeugt. Und, was gern übersehen wird: Um das Spiel zu erleichtern. Im   Rahmen   der   Ruhrtriennale   wurden   an   den   Spielorten   in   Bochum,   Essen   und Duisburg   zeitgleich   eine   jeweils   von   den   Solisten   zusammengestellte   Auswahl   von Sonaten   aus   allen   drei   Teilen   –   dem   freudenreichen,   dem   schmerzensreichen   und dem   glorreichen   Rosenkranz   –   sowie   die   abschließende   Passacaglia   gespielt.   So sollten   die   Mysteriensonaten   die   drei   Städte   des   Ruhrgebiets   zu   einem   großen, dezentralen Resonanzraum verbinden. Abseits   von   derlei   abstrakten   Ideen:   Die   Sonaten   sind   für   jeden   Geiger   eine Herausforderung,   Julia   Galić   meisterte   die   Hürden   in   der   Turbinenhalle   an   der Jahrhunderthalle   Bochum   mit   feinem,   souveränem   Spiel;   gemeinsam   mit   Jens Wollenschläger   und   Thorsten   Bleich   sponn   sie   einen   feinen,   meditativen   Faden entlang   der   Mysterien,   die   vom   Publikum   sicht-   und   hörbar   gut   aufgenommen wurden. Herausragend   die   unbegleitete   Passcaglia   am   Schluss:   Ein   beeindruckender   und berührender   Vortrag,   der   weit   über   das   Ende   des   nur   einstündigen   Konzerts   und über   die   Mauern   der   Turbinenhalle   hinaus   in   uns   nachhallte.   Danke   dafür   an Herrn Biber, Frau Galić und die Herren Wollenschläger und Bleich. Mehr zur Ruhrtriennale findet sich hier: https://ruhrtriennale.de/
(c) Volker Beushausen
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