RuhrGesichter

Die Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg – Nord

erbebte vor der „Schöpfung“. Im Rahmen der Ruhrtriennale

entfaltete sich unter der musikalischen Leitung von René

Jacobs das gewaltige Werk Joseph Haydns, unterstützt durch

eine Art bewegtes Szenenbild des Filmkünstlers Julian

Rosefeldt auf einer großen Leinwand über Orchester und Chor.

Die   Musik   Haydns   erstrahlte   in   der   ausdruckstarken   Interpretation   eines   René   Jacobs,   herausragend vor   allem   die   Solisten   Sophie   Karthäuser   (Sopran),   Maximilian   Schmitt   (Tenor)   und   Johannes   Weisser (Bass),   sowie   das   durch   einen   ausgewogenen,   vollen   Klang   beeindruckende   B´Rock   Orchestra.   Das   „Es werde   Licht“   (inkl.   dem   berühmten   musikalischen   Klicken   des   Lichtschalters)   war   wundervoll   mit   dem Chor herausgearbeitet. Dem   Libretto   von   Baron   Gottfried   van   Swieten   liegen   neben   der   biblischen   Schöpfungsgeschichte   auch Elemente   aus   John   Miltons   „Paradise   Lost“   zugrunde,   wenn   auch   durch   ergänzende   Bibelzitate   Miltons „Abgründe“   geglättet   (zugekleistert?)   wurden.   Haydn   folgte   der   Schöpfungsgeschichte   mit   vielfältigen Tonmalereien, in denen sich die Erscheinungen der noch neuen „Natur“ wiederfinden. Der   Film   wurde   von   Julian   Rosefeldt   neben   Locations   im   Ruhrgebiet   (Halde   Haniel)   vor   allem   in   der Wüste   Marokkos   und   den   dort   vor   sich   hin   rottenden   verlassenen   Filmkulissen   aus   Historienfilmen gedreht;   was   für   Rosefeldt   offenbar   eine   grßartige   Gelegenheit   war,   die   Welt   hinter   der   Kulisse,   hinter der   „Schokoladenseite“   in   den   Mittelpunkt   zu   rücken.   So   zeigen   uns   die   Luftbilder   seiner   Kameradrohne genußvoll   nicht   nur   die   monumentalen   „ägyptischen“   Tempeleingänge,   sondern   auch   das   modernde Holzgerüst   dahinter.      Im   wesentlichen   bekamen   die   Besucher   von   Haydns   Schöpfung   jedoch   ruhige, meditative   Kamerflüge   über   Wüste(n)   Landschaften   zu   sehen,   in   denen   zahlreiche   Statisten   in   weißen Overalls herumliefen. Zwar   war   es   offenbar   Absicht   dass   „die   Bilder   stellenweise   fast   antithetisch   zu   dem   stehen,   was   man   in der   Musik   hört,   sodass   die   Musik   gemeinsam   mit   den   Texten   des   Librettos   die   kargen   und   entleerten Bilder   der   Wüstenlandschaften   wieder   füllen   muss.“   (Julian   Rosefeldt).   Allerdings   erschloss   sich   diese Absicht   nicht   beim   ersten   Sehen   des   Films,   so   dass   dieses   –und   sei   es   bewusste-   Entfernen   von   den musikalischen    und    textlichen    Bildern    Aufmerksamkeit    auf    sich    zog,    die    bei    der    Musik    besser aufgehoben   gewesen   wäre.   Auch   die   umherlaufenden   Statisten   in   den   weißen   Overalls   provozierten eher,   dass   –dies   haben   neben   der   eigenen   Erfahrung   auch   die   nicht   repräsentativen   Gespräche   mit Konzertbesuchern   im   Anschluss   ergeben-   der   Film   zu   einem   Suchbild   verkam,   in   dem   die   „Kerle   im Einwegmaleranzug“ gesucht wurden. Fazit:   Ein   großes   Werk   ausdruckstark   inszeniert   und   mit   beeindruckenden   Bildern   untermalt,   die   jedoch manchmal   zu   dominant   wurden.   Dass   ein   Teil   des   Chores   sich   im   Publikum   „verbarg“   und   erst   beim Schlusschor   aufstand   und   einstimmte,   war   ein   bemerkenswerter   Schlusspunkt   unter   einem   großen Musikabend.

Haydns Schöpfung