RuhrGesichter

Von Grubenpferden, Explosionen, Kohle und Migration

Mit Adriana auf der Zeche Hannover in Bochum

Adriana   aus   Herten   führte   uns   zum   „LWL-Industriemuseum   Zeche   Hannover“   in   Bochum,   eine   der   frühen Großzechen   des   Ruhrgebietes.   Die   Zeche   entstand   mit   ihren   beiden   festungsartigen   Fördertürmen   1857 am   Rande   der   Bauernschaft   Hordel.   Alfred   Krupp   erwarb   die   Zeche   1872   und   baute   sie   bis   1908   zu   einer frühen   Großzeche   aus,   deren   Tiefster   der   sechs   Schächte   950   Meter   tief   war.   Bereits   1913   betrug   die Jahresförderung   weit   mehr   als   2   000   000   Tonnen.   1892   wurde   eine   pferdekraftbetriebene   Seilbahn   zur Streckenförderung errichtet. 1931 wurden die Pferde von Dieselzugmaschinen abgelöst. Bei   unserem   Besuch   suchte   Adriana   mit   uns   das   sonst   ausgestellte   hölzerne   Grubenpferd   und   fand   es schwer   ramponiert   unter   einer   Treppe;   was   schade   ist;   denn   der   Blick   auf   die   Grubenpferde   in   den   Zechen des   Ruhrgebietes   lohnt   sich;   die   Ruhrgesichter   werden   ihnen   im   Anschluss   an   diese   historische   Übersicht einige Zeilen widmen. 1877   entwickelte   Friedrich   Koepe   auf   der   Zeche   Hannover   ein   Fördersystem,   das   besser   für   die   Förderung von   Steinkohle   aus   großen   Tiefen   geeignet   war   und   dass   sich   in   der   Folge   als   ein   weltweiter   Standard durchsetzte.   1888   wurde   die   erste   Turmfördermaschine   mit   der   von   Koepe   erfundenen   Treibscheibe   in   der Zeche Hannover erbaut. Am   23.09.1939   kam   es   infolge   einer   Schlagwetterexplosion   zu   20   Toten   und   19   teils   schwer   verletzten Bergleuten.    Während    des    zweiten    Weltkrieges    wurden    bis    zu    2000    Zwangsarbeiter    auf    der    Zeche Hannover   eingesetzt,   so   dass   der   Zechenbetrieb   fast   bis   Kriegsende   weitergehen   konnte,   obwohl   durch Luftangriffe Hunderte von Spreng- und Brandbomben die Betriebsgebäude trafen. Auf   der   Zeche   Hannover   arbeiteten   zunächst   Menschen   aus   der   Region,   dann   kamen   Arbeitssuchende   aus Schlesien,   Masuren,   West-   und   Ostpreußen   hinzu.   Ab   1960   stießen   die   ersten   Griechen,   Italiener,   Türken, Marokkaner    und    Türken    als    Gastarbeiter    dazu.    Krupp    ließ    riesige    Bergwerkssiedlungen    für    die zuströmenden Arbeiter errichten. 1969   übernahm   die   Ruhrkohle   AG   die   Zeche,   1973   wurde   die   Zeche   aufgrund   der   Bergbaukrise   stillgelegt. 1979    blieben    nur    der    Malakowturm    von    1857    mit    der    ältesten    erhaltenen    dampfgetriebenen Fördermaschine   des   Ruhrgebietes   (1893)   und   das   Grubenlüftergebäude   von   1929   stehen,   die   restlichen Betriebsgebäude   wurden   abgerissen.   1981   schließlich   restaurierte   der   Landschaftsverband   –   Westfalen   Lippe die erhaltenen Gebäude und machte es ab 1995 für Besucher zugänglich. Heute   finden   sich   in   der   Zeche   eine   Dauerausstellung   zur   Geschichte   der   Zeche   Hannover   und   der Rundweg der Migration aber auch viele Sonderveranstaltungen haben dort einen Platz gefunden. Das   Kinderbergwerk   „Zeche   Knirps“   ist   ein   Abenteuerspielplatz   für   Kinder,   die   dort   spielerisch   den   „Alltag“ der   Bergleute   nachempfinden   können.   Das   Leben   der   Bergleute   ist   in   den   zum   Museum   gehörenden Arbeiterhäusern zu sehen und sehenswert aufbereitet.  Wie   versprochen   noch   einige   Anmerkungen   zum   Schicksal   der   Grubenpferde ,   die   wie   in   allen anderen   Zechen   ihrer   Zeit   auch   in   der   Zeche   Hannover   eingesetzt   wurden.   Heute   kennen   wir   Pferde vorwiegend   im   Freizeitbereich   und   als   Rindfleisch   deklariert   in   der   Tiefkühl-Lasagne.   Jedoch   haben   diese Tiere   im   Rahmen   der   Industrialisierung   eine   entscheidende   Rolle   gespielt.   Zeitweise   waren   im   Ruhrgebiet mehr   als   8000   Grubenpferde   auf   Zechen   eingesetzt,   noch   1956   waren   über   400   von   ihnen   im   Einsatz.   Am 22.06.1966   verließ   nach   12   Jahren   Arbeit   als   Grubenpferd   Tobias   die   Zeche   General   Blumenthal   in Recklinghausen   und   durfte   noch   4   Jahre   sein   Gnadenbrot   auf   einem   Bauernhof   genießen.   Heute   steht Tobias   als   Modell   im   Deutschen   Bergbaumuseum   in   Bochum.   Von   Tobias   erzählt   man   sich,   dass   er   nie mehr   als   zehn   Anhänger   zog.   Beim   Anziehen   zählte   er   das   Klicken   der   Verbindungen   zwischen   den Anhängern.   Um   Tobias   zum   Ziehen   einer   größeren   Last   zu   bringen,   spannte   man   ihn   vor   eine   bereits stramm   angezogene   Kette   aus   zwölf   Anhängern.   Doch   Tobias   machte   einen   Schritt   zurück   und   lockerte   so die   Verbindungen   zwischen   den   Wagen.   Beim   erneuten   Anziehen   klickte   es   zwölf   Mal   und   Tobias   weigerte sich   so   lange,   anzuziehen,   bis   die   Bergleute   zwei   Wagen   wieder   entfernt   hatten.   Ob   die   Geschichte   vom klugen Tobias so stimmt? Ist das wirklich wichtig? Ebenso,   wie   auf   der   Zeche   Hannover   auf   die   Arbeit   der   Pferde   hingewiesen   wird   und   im   Deutschen Bergbaumuseum   die   Erinnerung   an   Tobias   lebt,   so   wurde   auch   zum   Beispiel   an   der   Zeche   Hugo,   Horster Straße   in   Gelsenkirchen   –   Buer,   dem   letzten   Grubenpferd   „Alex“   ein   Denkmal   gesetzt.   Dort   wird   es umsorgt   von   „Don   Alfredo“   Konter,   seines   Zeichens   Bahnwärter   der   Zeche   Hugo   auf   Lebenszeit   und (sofern   der   Besucher   viel   Zeit   für   die   spannenden   Erzählungen   mitbringt)   im   Verbund   mit   einem   Besuch des Bahnwärterhäuschens (aber das ist eine Geschichte für sich) immer eine Reise wert. Paul Zech - Die Ballade von einem blinden Grubenpferd So schwarz weint keine Nacht am schwarzen Gitter, wie in dem schwarzen Schacht das blinde Pferd. Ihm ist, als ob die Wiese, die es bitter in jedem Heuhalm schmeckt, nie wiederkehrt. Es wittert durch das schwarze Fleisch der Steine den Tod, und sieht ihn mit den toten Augen an, und ist mit ihm die ganze Nacht alleine und geht nur widerwillig ins Gespann. Der Knabe, der es durch die Gänge treibt, will es mit Brot und Zucker fröhlich machen. Es kann nicht mehr wie andere Pferde lachen, in seinen Augen wurmt die Nacht und bleibt. Nur manchmal, wenn mit dem Geruch von Laub waldfrisches Holz nach unten wird gefahren, hebt es den Kopf und beißt sich in den Haaren des Knaben fest und stampft ihn in den Staub. Im Berg, die schwarze Wetternacht, schlägt Funken aus den Hufen und ehe noch die Notsignale rufen, hat sich das blinde Pferd verhundertfacht. Und rast durch schwarzer Schächte Labyrinth und stürzt im Fliehn die steile Felsentreppe herab und wiehert durch die grüne Steppe, auf der die toten Pferde mächtig sind. Anschrift: LWL-Industriemuseum Westf. Landesmuseum für Industriekultur Zeche Hannover Günnigfelder Straße 251 44793 Bochum Öffnungszeiten: Ca.       März       bis       November,       aktuelle       &       genaue       Saison-       und       Öffnungszeiten       unter: www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/hannover/service
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Adri & die Zeche Hannover

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