Atze Schröder live
Wenn der Lockenkopf zum Erlöser wird
Mitte
der
1990er
startete
er
live
auf
Kleinkunstbühnen,
bis
er
durch
Formate
wie
den
Quatsch
Comedy
Club
und
die
RTL-Serie
„Alles
Atze!“
Anfang
der
2000er
zum
Publikumsliebling
avancierte.
Er
moderierte
mehrfach
den
Deutschen
Comedypreis
und
wurde
vielfach
dafür
ausgezeichnet
–
insgesamt
fünf
Mal.
Neben
Bühnenprogrammen
veröffentlichte
er
Romane
(„Und
dann
kam
Ute“,
„Der
Turbo
von
Marrakesch“)
und
2022
seine
Autobiografie
„Blauäugig
–
Mein
Leben
als
Atze
Schröder“.
Seit
2019
begeistert
er
zudem
mit
den
Podcasts
„Zärtliche
Cousinen“
und
„Betreutes
Fühlen“.
Sein
Privatleben
und
seine
„wahre“
Identität
hält
er
konsequent
geheim.
Wer
sich
jedoch
ein
klein
wenig
als
Google-
Sherlock
betätigt,
kann
das
Geheimnis
schnell
lüften:
Aber
warum
sollte
man
das
wollen?
Für
den
Ruhrpott
–
Comedian
ist
der
Abend
beim
Zeltfestival
nicht
nur
ein
Auftritt,
sondern
eine
Rückkehr
aus
seiner
neuen
Wahlheimat
Hamburg
nach
Hause:
Er
war
schon
vor
rund
30
Jahren
hier
mit
seiner
Band
„The
Proll“
auf
einer
Bühne
am
Kemnader
See
zu
sehen,
lange
vor
dem
Festival
in
seiner
heutigen
Form.
Der
perfekte
Ort
also,
um
den
Tourabschluss
seines
Programms
„Der
Erlöser“
hier
am
See
zu
feiern
und
nicht
etwa
in
Augsburg;
wie
er
nicht
müde
wird
zu
betonen.
Dass
es
in
Augsburg
nicht
nur
ein
intellektuell
schwerfälliges
Publikum
gibt,
sondern
auch
unfassbar
viele
hässliche
Menschen,
erfahren
wir
exklusiv
und
natürlich
ist
das
Bochumer
Publikum
die
Krone
von
allem,
was
Publikum
sein
kann.
Uns
würde
interessieren,
was
Atze
bei
Gastspielen in Augsburg zu diesem Thema erzählt….
Wie
auch
immer,
der
Erlöser
erlöst
die
Welt
auch
im
Sparkassen
–
Zelt
beim
ZfR,
was
das
Zeug
hält.
In
einer
Zeit,
in
der
globale
Krisen
die
Nachrichten
dominieren,
wächst
bei
vielen
Menschen
das
Bedürfnis
nach
Orientierung:
Und
wer könnte das besser liefern als Atze Schröder?
Der
Mann
mit
der
Lockenpracht
und
dem
Sonnenbrillen-Dauereinsatz
steht
nicht
nur
für
Unterhaltung,
sondern
auch
für
eine
Art
seelisches
Reset:
Zwei
Stunden
lang
nimmt
er
seinem
Publikum
die
Last
des
Alltags,
vergibt
augenzwinkernd
jede
Schuld
–
und
lässt
mit
scharfem
Witz
vergessen,
was
draußen
gerade
drückt.
Schon
zu
Beginn
seiner
Show
macht
er
klar,
dass
der
Titel
„Der
Erlöser“
nicht
religiös
zu
verstehen
sei.
Um
dann
natürlich
dennoch
mit
„Amen“
und
„Lobet
den
Herrn“
zu
spielen.
Das
Publikum
überträgt
ihm
alle
Lasten:
Ablass
und
Ablenkung
vom
harten
Alltag;
selten
haben
auch
wir
als
sündhafte
Kritiker
einen
derart
praktischen
Doppelnutzen
genossen.
Atze
Schröders
Sprache
ist
direkter,
schnoddriger
Ruhrpott-Ton,
nie
herablassend,
sondern
nahbar
und
auf
die
Zwölf.
Er
selbst
sagte
in
einem
Interview
mit
t-online
im
Vorfeld
des
Auftritts:
„Ich
versuche,
nicht
besonders
politisch
zu
sein.
Ich
finde
es
gut,
dass
die
Leute,
die
jeden
Tag
damit
überschüttet
werden,
einfach
mal
zwei
Stunden
herzhaft
lachen können.“
Die
Gags
sind
schnell
gezündet:
Atze
spielt
meisterhaft
mit
Klischees
des
Erlösungsszenarios
–
und
zugleich
mit
Alltagspeinlichkeiten.
Zwischen
absurden
Bildern
glänzt
sein
Erlöser-Service:
Er
entlastet
das
Publikum,
dieses
dankt
ihm
seinen
selbstlosen
Dienst
mit
Lachkaskaden
und
Kopfschütteln
in
biblischer
Eintracht.
Die
Atmosphäre
ist
intensiver
als
bei
vielen
Auftritten
von
Musikstars:
Comedy erzeugt Gemeinschaft.
Verschachtelte
Programmaufbauten
oder
komplexe
Spannungsbögen
sind
Atzes
Sache
nicht,
seine
abgefeuerten
Pointen
zielen
immer
aufs
Bein:
Das
Nasenbein.
Erlösung,
Sünde,
Buße
–
das
sind
die
wiederkehrenden
Motive
an
diesem
Abend.
Immer
wieder
neue
Pointe,
aber
mit
Anspielungen
auf
vorherige
Witze
(und
auf
Augsburg) – ein geschlossener, humoristischer Kosmos.
Auch
die
Musik
bleibt
bei
Schröder
nicht
verschont
–
schließlich,
so
seine
These,
könne
Erlösung
ja
durchaus
auch
in
Liedtexten
liegen.
Nur
eben
nicht
zwingend
in
der
weichgezeichneten
Wohlfühlwelt
des
deutschen
Schlagers.
Mit
spitzer
Zunge
und
viel
Sinn
für
Absurdität
nimmt
er
sich
die
Lyrics
von
Pur,
Revolverheld,
Klaus
Lage,
Andrea
Berg
und
Roland
Kaiser
zur
Brust
–
und
seziert
dabei
so
manche fragwürdige Zeile.
Doch
Schröder
wäre
nicht
Schröder,
wenn
er
es
bei
bloßer
Analyse
beließe:
Stattdessen
performt
er
ausgewählte
Passagen
im
martialischen
Rammstein-Stil
–
mit
donnerndem
Pathos
und
finsterer
Miene.
Atze
ätzt
mit
Blick
auf
seine
Rammstein
–
Gedächtnis
„Row
Zero“
im
Zelt:
„Diese
Reihe
gibt’s
bei
Roland
Kaiser auch – nur stehen da halt Rollatoren.“
Als
Atze
schließlich
die
Bühne
verlässt,
geht
nicht
er
nicht
nur
mit
dem
Eintrittsgeld.
Sondern
er
hat
das
Publikum
derart
von
ihren
Lasten
erleichtert,
dass
es
diese
nach
ausgedehntem
Applaus
nahezu
magisch
zum
Getränkestand
zieht,
um
die
soeben
gewonnen
religiösen
Erkenntnisse
noch
einmal
im
Spiegel
einer
Fiege-Pils
Flasche
zu
betrachten
und
mit
den
neuen
Brüdern
und
Schwestern
zu
vertiefen.
Und
Atze?
Der
darf
nächstes
Jahr
gerne
wiederkommen, darüber ist man sich in Bochum einig.