RuhrGesichter Die JZI Anröchte e.V. organisierte 1998 das erste Big Day Out Festival, das stetig wuchs, bis nach Corona und der allgemeinen Teuerung ein großes Festival mit 10000 Besuchern und 22 Bands für einen Verein, der die Organisation komplett ehrenamtlich stemmt und entsprechend auch ins finanzielle Risiko geht nicht mehr zu bewerkstelligen war. Dennoch zog man sich nicht zurück und beschränkte sich forthin auf Skatrunden und Kegelabende, sondern schuf das neue Format „BIG DAY OUT Concerts“, bestehend in diesem Jahr aus drei Einzelkonzerten an einem Wochenende.

Fury in the Slaughterhouse                                                                    

beim Big Day Out in Anröchte

Jan   Delay   &   Disko   No.   1   groovten   am   Freitag   den   Bürgerhausvorplatz.   Am Sonntag   wurde   die   Heilige   Messe   des   Italo-Schlagers   mit   Roy   Bianco   &   Die Abbrunzati   Boys   gefeiert.   Mittendrin   im   Wochenende   am   Samstag   war   in   der „Rock   City“   Anröchte   alles   für   Fury   in   the   Slaughterhouse   angeröchtet   und   wir schauten     uns     das     Spektakel     rund     um     eine     der     erfolgreichsten     Bands Deutschlands an. Den   Auftakt   machte   als   Support   die   Frankfurter   Pop-Punk   Band   Friends   don’t   lie, die   gemeinsam   mit   dem   Beginn   eines   heftigen   Regengusses   die   große   Bühne enterten.   Wir   kannten   die   Band   zuvor   nicht,   der   Alternative-Punk-Rock   Sound war   für   uns   als   Support   von   Fury   überraschend,   überzeugte   aber   voll   und   ganz. Wo   genau   nun   der   Unterschied   zwischen   Punk-Rock   und   Pop-Punk   liegen   soll, mag   eine   akademische   Diskussion   sein.   Vielleicht   erklären   es   uns   die   Jungs   von Friends    don’t    lie    irgendwann    einmal.    Mit    englischen    und    deutschen    Texten, gutem   Gesang,   teils   genretypischer,   etwas   ritualisiert-folkloristisch   anmutender Anti-AfD-Haltungund   ansonsten   sehr   guter   Bühnenpräsenz   und   klaren,   einfachen, aber   wunderbar   geradlinigen,   harten,   aber   eingängigen   Songs   war   das   insgesamt richtig gut. Mit   einem   bombastischen   Sound   bliesen   die   drei   Herrschaften   den   Regen   über die    Bürgerhausvorplatz;    vor    der    Bühne    versammelten    sich    hüpfende,    bunte Regenponchos,   der   nicht   ganz   so   wetterfeste   Publikumsteil   stapelte   sich   derweil überall   dort,   wo   es   Überdachungen   gab.   Sollte   die   Botschaft   nicht   bis   zur   Bühne gereicht   haben,   sei   es   hier   ausdrücklich   erwähnt:   Auch   bei   den   Schönwetter- Musikliebhabern   wie   uns   kam   Friends   don’t   lie   richtig   gut   an,   die   Band   dürfte   bei dem Gig in Anröchte viele niemals lügende Freunde dazu gewonnen haben. Es   folgten   nach   kurzer   Umbaupause   und   einem   sich   allmählich   aufklarenden Himmel    das    Folk-Duo    (live    mit    musikalischer    Unterstützung    an    der    zweiten Gitarre)   Mrs.   Greenbird,   die   2012   die   die   dritte   Staffel   der   Gesangs-Castingshow X   Factor   gewannen.   Mrs.   Greenbird   sind   Sängerin   Sarah   und   Gitarrist   Steffen Brückner   (ja,   sie   sind   verheiratet.   Miteinander.)   und   spielen   einen   leisen,   feinen, anmutigen    Stilmix    aus    Folk,    Country    und    Pop.    Mrs.    Greenbird    sind    derzeit ohnehin    als    Support    von    Fury    unterwegs,    wirkten    in    der    musikalischen Dramaturgie    die    Abends    zwischen    den    punkrockigen    Friends    don’t    lie,    den Anröchter    Wasserspielen,    die    Kollege    Petrus    aus    dem    wolkenverhangenen Himmel    veranstaltete    und    den    großen    Fury    in    the    Slaughterhouse,    auf    die natürlich   alle   Fans   sehnsüchtig   warteten   etwas   „eingeklemmt“;   die   leisen,   zarten Arrangements   gingen   leider   ein   bisschen   unter,   kamen   aber   dennoch   gut   an;   so dass   die   wundervolle   Retro   -   Musik   von   Mrs.   Greenbird   völlig   zu   recht   von   vielen Fury – Fans entdeckt und lieb gewonnen wurde. Auch uns hat es gut gefallen.   Wir   Ruhrgesichter   sind   ja   eigentlich   als   Nörgelköppe   und   Haar-in-der-Suppe- Finder     gefürchtet,     dennoch     soll     hier     ein     Lob     Platz     finden,     das     bei Veranstaltungskritiken oft übersehen wird: Obwohl   Petrus   das   Gelände   regelmäßig   ordentlich   durchkärcherte   und   die   ersten Besucher   ihre   Sportwatches   von   „Gehen“   auf   „Schwimmen“   umstellten,   war   die Veranstaltung   am   Samstag   mit   rund   5000   Fans   sehr   gut   besucht   und   –   das Wichtigste:    Alle    hatten    Spaß.    Dies    war    zum    einen    den    drei    guten,    sehr unterschiedlichen   Bands   und   dem   durchweg   tollen   Publikum   zu   verdanken,   aber auch   einer   professionellen,   reibungslosen   Organisation   mit   zahlreichen   helfenden ehrenamtlichen   Händen.   Unser   Konzertfotograf   kennt   von   anderen   Konzerten   und Festivals   beides:   Professionelle   Großveranstaltungen,   die   oft   jedoch   wie   eine kalte   Maschine   in   ihren   Prozessen   hängen   und   gelegentlich   den   Blick   für   die Belange   des   Publikums   verlieren   auf   der   einen   Seite.   Auf   der   anderen   Seite   von Ehrenamtlern   gestemmte   Events,   die   sich   trotz   allen   Bemühens   der   Beteiligten bei   Schwierigkeiten   (und   die   gibt   es   bei   jeder   Veranstaltung)   plötzlich   mangels Erfahrung   im   hektischen   Chaos   wiederfinden.   Zum   Beispiel,   wenn   eingeplante Parkplätze   aufgrund   des   Dauerregens   plötzlich   nicht   nutzbar   sind,   wie   dies   beim Big   Day   Out   ab   Tag   2   der   Fall   war.   Alles,   was   für   Besucher   (wir   haben   viele lobende   Stimmen   gehört)   und   uns   sichtbar   war,   wurde   in   Anröchte   professionell UND   nahbar   menschlich   engagiert   top   gelöst:   Von   den   Parkflächen   (Dank   an   die wetterfeste   Feierwehr!),   dem   reibungslosen   Einlass   inkl.   gründlicher,   aber   stets freundlicher   Kontrollen   über   die   zahlreichen   Gastrostände,   die   Ansprechpartner des   Teams   auf   dem   Gelände   bis   hin   zu   den   eingesetzten   externen   Securities,   die ausnahmslos   einen   entspannten,   großartigen   Job   gemacht   haben.   So   entstand ein Konzerttag in gemütlicher, aber feierfreudiger Atmosphäre. Der   Verein   hat   bewiesen,   dass   er   nach   wie   vor   große   Events   organisatorisch stemmen kann: Stark und bitte gerne so weitermachen.   Als   Fury   in   the   Slaughterhouse   die   Bühne   erklommen,   waren   die   rund   5000   Fans sofort    auf    Temperatur    und    selbst    Petrus    vergaß    vor    Begeisterung    seine Wassereimer,   so   dass   es   nun   nahezu   trocken   blieb   und   ein   großartiger   Headliner seine Headliner – Dinge tun konnte. Der   Band   merkt   man   an,   dass   sie   seit   ihrer   Gründung   1987   ein   paar   Jahrzehnte zu   den   Furys   reifen   konnten,   wie   sie   in   Anröchte   auf   der   Bühne   standen.   Das   war eine   routinierte,   musikalisch   umwerfende   Show,   bei   der   man   der   Band   jederzeit die   Spielfreude   inkl.   dem   Spaß   am   Kontakt   mit   den   Fans   anmerkte.   So   ist   es   auch kein    Zufall,    dass    sich    Christof    Stein-Schneider    schon    weit    vor    dem    Auftritt entspannt mit einem Kaffeetässchen auf der Rolli – Tribüne sehen ließ. Und   auch   musikalisch   können   Sie   es   noch:   Mit   On   Alarm   und   Letter   to   myself startete   ein   fulminanter   Konzertabend.   Bevor   sie   den   DJ   hängen   ließen   ging   es um   Better   times;   auch   Then   she   said,   Good   Day   to   Remember,   Radio   Orchid   und das   großartige   Trapped   Today   fanden   neben   zahlreichen   anderen   Songs   Platz   in der    Setlist    zwischen    wildem    Rock    und    akustischer,    plüschiger    Wohnzimmer- Atmosphäre,   bevor   mit   Won't   Forget   These   Days   der   offizielle   Teil   des   Abends   ein Ende fand. Kein   Ende   fanden   jedoch   die   Fans,   die   den   Refrain   solange   weiter   sangen,   bis Fury   den   Weg   zurück   auf   die   Bühne   fanden   und   wieder   einstimmten.   Nach Goodbye so long spielten sie auch das heiß erwartete Time to wonder. Fazit:   Starke   Show,   zeitlose   Musik   mit   Leidenschaft   auf   die   Bühne   gebracht   und ein   Kai   Wingenfelder,   dem   man   noch   anhörte,   dass   er   Kai   Wingenfelder   ist   (wir hatten   da   kürzlich   ernüchternde   Erlebnisse   mit   Axl   Rose   von   Guns   N’   Roses)   und sich    mit    Leichtigkeit    durch    die    23    Songs    des    Abends    sang.    Fury    in    the Slaughterhouse   haben   auch   in   diesem   Jahr   noch   Bock   auf   Musik,   Bock   auf Konzerte,   Bock   auf   ihre   Fans.   Wir   lüften   anerkennend   unseren   Hut,   sagen   Danke Fury, Danke JZI und Chapeau!
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