Kritik: Das Tor zur Anderswelt
Cavalluna in Dortmund
56
Pferde,
Ponys,
Esel
und
herausragende
Reiter
aus
neun
verschiedenen
Ländern
erweckten
die
Magie
zum
Leben
–
gemeinsam
mit
einer
guten
Tanzkompanie,
emotionaler
Musik
und
passenden
Licht-
und
Spezialeffekten.
Die
aufwändige
Inszenierung,
die
beeindruckenden
Pferde
und
die
Menschen
auf
und
neben den Pferden erschufen auch in diesem Jahr ein fesselndes Abenteuer:
In
„
Das
Tor
zur
Anderswelt
“
wird
-kindgerecht-
die
Geschichte
der
jungen
Zauberin
Meerin
erzählt,
die
von
ihrem
Volk
verstoßen
wird.
Auf
ihrer
Flucht
und
der
Suche
nach
dem
letzten
Magnolienbaum
gerät
sie
in
die
Fänge
des
Hexenmeisters
Röndrup
und
seiner
tückischen
Nichte
Anam
(fantastisch:
Kenzie
Dysli).
Meerin
(mit
ausdrucksvollem
Spiel
großartig
verkörpert
von
Inma
Salazar
aus
Spanien)
muss
sich
also
nicht
nur
gegen
die
äußeren
dunklen
Mächte
behaupten,
sondern
auch
ihre
inneren
Schatten
besiegen
–
denn
nur
das
Vertrauen in sich selbst kann ihr ihre verloren geglaubte Magie zurückbringen…
Das
gesamte
Bühnenbild
wurde
von
einer
unaufdringlichen,
aber
ständigen
Veränderung
der
Lichtstimmungen
begleitet.
Die
riesigen
LED-Wände
mit
2,5
Mio.
LEDs
boten
die
Möglichkeit
fortwährender,
teils
fließender
Hintergrundvariationen; trotz aller Technik mutete das Ganze sehr homogen an.
Es
gab
eine
ganze
Reihe
starker
Effekte
und
auch
bei
den
detailreichen
Requisiten
und
Kostümen
hatte
man
sich
erkennbar
wieder
sehr
viel
Mühe
gegeben;
Bärte
und
Perücken
passten
allerdings
nicht
immer
so
ganz.
Im
Mittelpunkt
der
Show
stand
jedoch
nicht
das
eine
oder
andere
unpassende
Haarteil,
sondern
die
Zusammenarbeit
zwischen
den
menschlichen
Darstellern
und
den
Pferden.
Besonders
bemerkenswert
war
die
emotionale
Intensität
der
Freiheitsdressuren
zum
Beispiel
von
Sylvie
Willms
aus
Belgien
mit
ihrer
beinahe
tänzerischen
Choreografie.
Diese
Szenen
waren
nicht
nur
aufgrund
der
anmutigen
Brillanz
der
Akteure
faszinierend,
sondern
auch
aufgrund
der
starken
emotionalen
Resonanz,
die
sie
beim
Publikum
hervorriefen.
Das
Vertrauen
zwischen
Mensch
und
Tier
zog
das
Publikum
sofort
in
den
Bann
und
ließ
es
den
Zauber
der
Anderswelt
hautnah
erleben:
Kein
Wunder,
dass
viele
Zuschauer
„Wiederholungstäter“ sind und alljährlich wiederkommen.
Deutlich
wilder
als
bei
der
Freiheitsdressur
ging
es
bei
Laury
Tisseur
und
der
„Ungarischen
Post“
zu:
Bei
dieser
Reitweise
steht
der
Franzose
auf
dem
Rücken
von
zwei
Pferden
und
wird
begleitet
von
vier
weiteren,
entweder
am
langen
Zügel
oder
freilaufend
neben
ihm.
Gemeinsam
zeigten
sie
in
Dortmund
komplexe
Choreografien und sprangen über Hindernisse.
Traditionell
wurde
die
„Ungarische
Post“
einst
von
Hirten
genutzt,
um
einen
guten Überblick über ihre riesigen Weiden zu gewinnen. Beeindruckend!
Die
Bühnenelemente
und
die
Rahmengeschichte
sind
bei
jeder
Cavalluna
Produktion
völlig
neu,
die
reiterlichen
Elemente
wiederholen
sich
naturgemäß
teilweise,
ohne
dass
jedoch
Langeweile
aufkommt.
Neben
aus
den
Vorjahren
bekannten
Akteuren
wie
Bartolo
Messina
und
Kenzie
Dysli
beeindruckten
auch
die
neuen
Gesichter.
Auch
der
mit
einer
Legolas-Gedächtnis
Perücke
ausgestatte
Ivan
Moreno
Ruiz
überzeugte;
ebenso
sorgte
die
wilde
Trickreiter
Meute
der
Hasta
Luego
Academy
für
Begeisterungsstürme.
Der
Soundtrack
zur
Show
wurde
eigens
für
„Das
Tor
zur
Anderswelt“
komponiert
und
reichte
von
epischen
Orchestermelodien
bis
hin
zu
sphärischen
Klängen,
die
die
mystische
Atmosphäre
noch verstärkten.
Die
Reaktionen
des
Publikums
in
Dortmund
waren
durchweg
positiv,
auch
uns
als
eigentlich
stets
nörgelnde,
berüchtigte
Veranstaltungs-Kritiker,
die
auch
noch
das
letzte
Haar
in
der
Suppe
suchen
und
meist
auch
finden,
hat
das
neue,
gelungene
Cavalluna – Stück erneut sehr gut gefallen.
Dennoch
gehört
zu
einem
Bericht
über
Cavalluna
Shows
–auch
das
ist
mittlerweile
Teil
der
jährlichen
Tradition–
ein
Hinweis
auf
die
Grundsatzkritik
der
Tierrechtsorganisation
PETA
,
die
jährlich
frische
„geleakte“
Aufnahmen
aus
Proben
und
Shows
präsentiert,
die
in
der
Sache
jedoch
stets
die
gleichbleibenden
Kritikpunkte
zeigen.
Im
Zentrum
der
konkreten
Kritik
steht
meist
die
Rollkur,
also
eine
Haltung,
bei
der
der
Pferdekopf
auf
die
Brust
gezerrt
und
der
Hals
massiv
überdehnt
wird
und
die
laut
PETA
bei
Cavalluna
eingesetzt
wurde
und
wird.
Diese
Fundamentalkritik
an
der
Rollkur
teilen
sich
allerdings
PETA
und
Cavalluna,
denn
auch
der
Veranstalter
positioniert
sich
hier
deutlich:
„Bei
Cavalluna
wird
diese
Art
des
Reitens
weder
praktiziert
noch
toleriert,
nicht
auf
und
auch
nicht
hinter
der
Bühne!“.
Auch
die
der
Rollkur
ähnelnde,
„schwächere“
LDR
Haltung
lehnt
Cavalluna nach eigener Stellungnahme ab.
Ob
sich
die
Standbilder
oder
Videos,
die
PETA
anführt,
nun
mit
kurzfristigen
Reitfehlern,
nicht-aussagekräftigen
Momentaufnahmen
oder
einfach
mit
der
Anatomie
der
eingesetzten
Pferderassen
erklären,
oder
sich
einige
Equipen
dann
doch
nicht
„an
die
Regeln
halten“
und
der
Veranstalter
dies
stillschweigend
hinnimmt
oder
sogar
fördert,
darüber
mögen
sich
die
Experten
streiten
und
im
Zweifelsfall die Gerichte entscheiden.
Wir
Ruhrgesichter
erkennen
als
Pferde
-
Laien
(!)
jedoch
aus
unseren
Gesprächen
sowohl
mit
den
PETA
Aktivisten
als
auch
mit
Cavalluna
Vertretern
und
gesammelten
eigenen
Eindrücken
-auch
hinter
der
Bühne
und
in
den
Stallungen-
beim
Cavalluna
Team
ein
glaubwürdiges
Bemühen
um
das
Wohlergehen
der
Tiere
und
beim
PETA
Streetteam
einen
respektablen
Einsatz
für
eigene
Überzeugungen.
Auf
der
anderen
Seite
geht
es
PETA,
die
ja
keine
eigentliche
Tierschutz-,
sondern
vielmehr
eine
Tierrechtsorganisation
sind,
schlussendlich
um
ein
grundsätzliches
Ende
der
„Nutzung“
von
Tieren:
„(Wir)
lehnen
das
Konzept
des
sogenannten
Haustiers
ab“
(peta.de/faq/kritik/).
„In
einer
perfekten
Welt
gäbe
es
das
Konzept
„Haustier“
nicht“
(peta.de),
in
dieser
„perfekten
Welt“
würden
die
Cavalluna
Zuschauer
also
nicht
nur
keine
Pferdeshow
besuchen,
sondern
auch
selbst
nicht
reiten
und
auch
der
neben
dem
Pferd
laufende
Hund
wäre
nicht
existent.
Daher
war
es
nicht
verwunderlich,
dass
die
Demo
des
PETA
Streetteams
vor
der
Show
bei
den
Cavalluna-Fans
auf
wenig
Resonanz
stieß
und
eher
selbstreferenziell
wirkte,
bevor
man
sich
zum
nächsten
Termin
auf
den
Weg
machte,
um
etwas
später
am
Tag
in
der
Dortmunder
City
für
einen Verkaufsstopp von Echthaarpinseln zu demonstrieren.
Wie
auch
immer
der
Leser
dieser
Zeilen
zu
PETA
steht
und
sich
für
oder
gegen
einen
Besuch
bei
Cavalluna
entscheidet:
„Das
Tor
zur
Anderswelt“
bietet
jedenfalls
eine
gelungene
Mischung
aus
Akrobatik,
emotionaler
Erzählweise
und
technischer
Raffinesse.
Die
Verbindung
zwischen
Mensch
und
Tier,
die
im
Mittelpunkt
der
Darbietungen
stand,
berührte
das
Publikum
zutiefst
und
ließ
viele
den
Zauber
dieser
Anderswelt
spüren.
Die
emotionale
Resonanz,
die
zahlreich
im
Merchandise
erbeuteten
Stofftier-Pferde
und
der
atemberaubende
Applaus
am
Ende
der
Show
waren
ein
klares
Zeichen
dafür,
dass
die
Magie
von
Cavalluna
auch weiterhin ihre Fans hat und die Zuschauer in den Bann zieht.