Dick Brave is back
– und zwar „Back for Good“ -
Wenn
der
Rockabilly-Haudegen
nun
ausgerechnet
beim
Zeltfestival
Ruhr
am
Kemnader
See
aufschlägt,
ist
das
mehr
als
ein
weiterer
Termin
im
dicht
gedrängten
Tourkalender,
denn
der
Wahl-Hamburger
stammt
eigentlich
aus
dem
beschaulichen
Soest,
das
man
mit
etwas
gutem
Willen
als
westfälische
Nachbarschaft
zum
Ruhrpott
sehen
kann.
Es
ist
ein
Wiedersehen
mit
einer
Region,
in
der
Sasha
seine
Karriere
begonnen
hat,
in
der
er
lange
vor
dem
Popstar-Ruhm
auf
kleinen
und
mittleren
Bühnen
unterwegs
war
und
in
der
sein
Alter
Ego
Dick
Brave
schon
vor
mehr
als
zwei
Jahrzehnten
für
volle
Häuser
sorgte.
Dass
Brave
beim
Zeltfestival
Ruhr
2026
nicht
nur
einmal,
sondern
gleich
dreimal
auftreten
darf,
ist
insofern
eine
bemerkenswerte
Form
von
Heimvorteil.
Das
sagt
zunächst
etwas
über
die
Nachfrage
aus
–
und
anschließend
ziemlich
viel
über
die
Wirkung,
die
Dick
Brave
nach
mehr
als
einem
Jahrzehnt
Bühnenabstinenz
noch
immer entfalten kann.
Am
Kemnader
See
ist
das
ohnehin
eine
eigentümliche
Konstellation.
Das
Zeltfestival
Ruhr
funktioniert
seit
Jahren
wie
ein
kleiner
temporärer
Kosmos:
Konzert,
Kleinkunst,
Gastronomie,
Markt
und
Sommerurlaub
treffen
aufeinander,
während
die
weiße
Zeltstadt
an
der
Stadtgrenze
zwischen
Bochum
und
Witten
für
einige
Wochen
einen
Ort
schafft,
der
zugleich
Festivalgelände
und
Naherholungsgebiet
ist.
Rund
130.000
Menschen
besuchen
das
Festival
über
die
gesamte
Laufzeit
hinweg,
die
einzelnen
Konzerte
finden
je
nach
Veranstaltung
in
unterschiedlichen
Zelten
statt.
Es
ist
kein
klassisches
Rockfestival,
bei
dem
sich
das
Publikum
über
Tage
hinweg
auf
eine
bestimmte
musikalische
Ästhetik
einschwört.
Gerade
deshalb
passt
Dick
Brave
erstaunlich
gut
hierher.
Sein
Programm
ist
schließlich
selbst
ein
Festival
im
Miniaturformat:
ein
bisschen
Rockabilly,
ein
bisschen
Pop,
ein
bisschen
Nostalgie,
eine
Menge
Show
und
darüber
die
augenzwinkernde
Behauptung,
dass
all
diese
Dinge
eigentlich
schon
immer
zusammengehört haben.
Wer
an
diesem
Abend
zum
Konzert
kommt,
weiß
deshalb
ziemlich
genau,
worauf
er
sich
einlässt.
Dick
Brave
macht
keine
Musik,
die
ihre
Wirkung
erst
nach
mehreren
konzentrierten
Hördurchläufen
entfaltet.
Sein
Prinzip
ist
unmittelbarer.
Ein
bekannter
Song
wird
aus
seiner
ursprünglichen
Umgebung
herausgerissen,
in
einen
Rock'n'Roll-Kokon
gesteckt
und
anschließend
mit
einem
breiten
Grinsen
wieder
ins
Publikum
geschleudert.
Das
hat
Anfang
der
2000er
schon
funktioniert.
Die
eigentliche
Überraschung
besteht
nun
darin,
dass
es
2026
noch
genauso
gut
funktioniert
–
vielleicht
sogar
besser,
weil
inzwischen
eine
zusätzliche
Schicht
Nostalgie
hinzugekommen
ist.
Denn
Dick
Brave
ist
längst
nicht
mehr
nur
die
Kunstfigur
aus
einer
Zeit,
in
der
Sasha
mit
"If
You
Believe"
und
"I
Feel
Lonely"
den
deutschen
Pop
dominierte.
Dick
Brave
ist
inzwischen
selbst
ein
Stück
Popgeschichte.
Das
Konzept
entstand
ursprünglich
aus
einem
Spaß
heraus
und
entwickelte
sich
zu
einem
eigenständigen
Erfolgsprojekt.
2003
landete
das
Album
"Dick
This!"
an
der
Spitze
der
deutschen
Charts.
Nach
der
langen
Pause
hätte
dieses
Konzept
allerdings
auch
scheitern
können.
Nostalgie
ist
ein
gefährliches
Geschäft.
Was
vor
20
Jahren
als
cleverer
musikalischer
Spaß
funktionierte,
kann
irgendwann
wie
ein
Museumsstück aussehen.
Doch
Dick
Brave
umschifft
die
Klippen
der
Peinlichkeit
überraschenderweise
ausgerechnet
mit
"Back
for
Good".
Der
Take-That-Song,
der
im
Original
als
melancholische
Boygroup-Ballade
funktioniert,
wird
zum
Türöffner
für
eine
Show,
die
ihre
eigene
Rückkehr
zum
Thema
macht.
Spätestens
mit
"Get
the
Party
Started"
ist
die
Richtung
vorgegeben.
Pink
hatte
den
Song
als
selbstbewusste
Pop-
und
Dancefloor-Nummer
veröffentlicht;
Dick
Brave
macht
daraus
einen
Rock'n'Roll-Befehl.
Die
aktuelle
Setlist
führt
danach
mit
"Take
On
Me",
"Be
the
One"
und
"Shake
It
Off"
gleich
mehrere
Stücke
auf,
bei
denen
das
Prinzip
besonders
deutlich
wird:
a-
ha,
Dua
Lipa
und
Taylor
Swift
begegnen
Elvis,
Jerry
Lee
Lewis
und
der
Ästhetik
des
klassischen
Rockabilly.
Dass
diese
Kombination
nicht
wie
ein
schlechter
Scherz
klingt,
ist
auch
der
Band
zu
verdanken.
Und
hier
liegt
eine
der
Stärken
dieses
Konzerts,
die
in
der
öffentlichen
Wahrnehmung
des
Dick-Brave-Projekts
leicht
unterschätzt
wird.
Der
Maestro
mag
den
größten
Teil
der
Aufmerksamkeit
bekommen,
aber
ohne
eine
präzise
und
virtuos
arbeitende
Band
würde
der
ganze
Abend
sehr
schnell
zur
Karikatur
verkommen.
Das
ist
entscheidend,
denn
Dick
Brave lebt von der Spannung zwischen Parodie und Ernsthaftigkeit.
"Take
On
Me"
ist
dafür
ein
gutes
Beispiel.
Der
a-ha-Hit
ist
derart
fest
im
kollektiven
Gedächtnis
verankert,
dass
man
ihn
kaum
noch
als
Lied
hört,
sondern
als
kulturelles
Erinnerungsobjekt.
Dick
Brave
nimmt
ihn
auseinander
und
baut
ihn
als
Rock'n'Roll-Nummer
wieder
zusammen.
Das
Ergebnis
ist
nicht
zwangsläufig
"besser"
als
das
Original
–
dieser
Vergleich
wäre
ohnehin
unsinnig
–,
aber
es
ist
unmittelbar.
Dasselbe
gilt
für
"Shake
It
Off".
Taylor
Swifts
Lied
wird
nicht
einfach
nachgespielt, sondern bekommt eine neue Körperlichkeit.
Gerade
bei
"Be
the
One"
von
Dua
Lipa
zeigt
sich,
wie
weit
das
Konzept
inzwischen
reicht.
Ein
moderner
Popsong
wird
nicht
deshalb
in
den
Rockabilly-Stil
gezwungen,
weil
Dick
Brave
keine
andere
musikalische
Idee
hätte.
Vielmehr
entsteht
aus
dem
Kontrast
der
eigentliche
Witz.
Die
Songs
sind
bekannt
genug,
dass
das
Publikum
die
Veränderung
sofort
erkennt.
Man
hört
also
gleichzeitig
das
Original
und
dessen
Dick-Brave-Version.
Das
ist
ein
musikalischer
Trick,
aber
einer,
der
live
besonders
gut
funktioniert.
Dick
Brave
ist
keine
Elvis-Tribute-Show.
Das
wäre
zu
einfach
und
wahrscheinlich
auch
zu
langweilig.
Er
benutzt
die
1950er als ästhetisches Werkzeug, nicht als historische Verpflichtung.
Die
entscheidende
Frage
an
diesem
Abend
beim
ZfR
lautet
daher
nicht,
ob
Dick
Brave
etwas
Neues
erfunden
hat.
Das
hat
er
nicht.
Die
Frage
lautet,
ob
er
die
alte
Idee
so
überzeugend
zurückbringt,
dass
sie
nicht
wie
ein
nostalgischer
Pflichttermin
wirkt.
Und
die
Antwort
fällt
am
Kemnader
See
ziemlich
eindeutig
aus: ja. Und das mit Bravour.