Kritik: „Mythos Wald“
Die neue Ausstellung im Gasometer Oberhausen
Nach
dem
überwältigenden
Erfolg
der
Ausstellung
Planet
Ozean,
die
mit
rund
1,5
Millionen
Besucherinnen
und
Besuchern
längst
in
die
Liga
der
erfolgreichsten
Ausstellungen
weltweit
aufgestiegen
ist,
stand
das
Haus
vor
der
Herausforderung
aller
Erfolgreichen:
Wie
lässt
sich
das
Erreichte
übertreffen?
Die
Antwort
darauf
trägt
den
Titel
„Mythos
Wald“
–
und
schon
beim
Betreten
des
Gasometers
wird
klar, dass man hier einen Perspektivwechsel wagt.
Während
„Das
zerbrechliche
Paradies“
die
Erde
thematisierte
und
„Planet
Ozean“
den
Blick
in
die
Tiefe
lenkte,
öffnet
„Mythos
Wald“
als
Abschluss
der
Trilogie
den
Raum
auch
nach
oben
–
in
die
Baumkronen,
in
das
Licht,
in
die
vertikale
Dimension
eines
Ökosystems,
das
ebenso
geheimnisvoll
wie
existenziell
ist.
Empfangen
wird
der
Besucher
von
einem
Exponat,
das
die
Tonalität
des
gesamten
Rundgangs
vorgibt:
ein
gewaltiges
Riesenhirschskelett,
dessen
fast
drei
Meter
breites
Geweih
sich
wie
eine
Krone
über
den
Raum
spannt.
Dieses
Tier,
das
vor
rund
7.000
Jahren
durch
die
Wälder
streifte,
wirkt
hier
nicht
wie
ein
museales
Objekt,
sondern
wie
ein
stiller
Wächter
an
der
Schwelle
zwischen
Vergangenheit
und
Gegenwart.
Dass
es
zuvor
über
ein
Jahrhundert
im
Museum
Koenig
in
Bonn
ausgestellt
war
und
eigens
für
diese
Schau
aufwendig
zerlegt,
transportiert
und
wieder
zusammengesetzt
wurde,
unterstreicht
den
Anspruch,
mit
dem
diese
Ausstellung
arbeitet:
nichts
weniger
als
eine
Inszenierung
des
Waldes als kulturelles, biologisches und emotionales Gesamterlebnis.
Es
entfaltet
sich
dann
eine
Dramaturgie,
die
den
Besucher
meist
über
herausragende,
großformatige
Fotografien
und
ergänzende
Exponate
langsam
in
die
unterschiedlichen
Facetten
des
Waldes
hineinzieht.
Anders
als
viele
naturkundliche
Ausstellungen
verzichtet
„Mythos
Wald“
auf
eine
allzu
starre
stringente
didaktische
Struktur.
Stattdessen
arbeitet
sie
mit
einem
Mosaik
an
gut
aufnehmbaren
Informationen,
mit
Stimmungen,
Perspektivwechseln
und
sinnlichen
Erfahrungen.
Ein
eindrucksvolles
Beispiel
dafür
ist
der
sogenannte
Klangraum
„Global
Sunrise“.
Hier
folgt
man
dem
Sonnenaufgang
rund
um
den
Globus
–
vom
Müritz-Nationalpark
über
Belize
bis
in
die
Zedernwälder
Japans.
Die
akustische
Gestaltung,
entwickelt
von
Chris
Watson
und
Tony
Myatt,
ist
von
einer
Intensität,
die
körperlich
spürbar
wird,
Besucher
befinden
sich
(fast)
mitten
im Erwachen der Wälder.
Visuell
wird
dieser
Raum
durch
eine
ebenso
sorgfältig
gestaltete
Installation
ergänzt,
die
zeigt,
wie
sehr
hier
Klang
und
Bild
als
Einheit
gedacht
sind.
Es
ist
ein
Moment des Innehaltens innerhalb der Ausstellung.
„Mythos
Wald“
ist
nicht
nur
eine
ästhetische
Erfahrung,
sondern
auch
eine
klare,
wissenschaftlich
fundierte
Auseinandersetzung
mit
den
globalen
Waldökosystemen,
die
fast
ein
Drittel
der
Landfläche
unseres
Planeten
bedecken.
Die
Ausstellung
führt
durch
unterschiedliche
Regionen
der
Erde
–
vom
Amazonasgebiet
bis
nach
Europa
–
und
zeigt
die
immense
Vielfalt
der
Flora
und
Fauna.
Gleichzeitig
wird
deutlich,
wie
fragil
diese
Systeme
sind.
Themen
wie
Brandrodung,
industrielle
Landwirtschaft
und
der
Verlust
von
Lebensräumen
werden in ihrer Dramatik offen dargestellt.
Besonders
gelungen
ist
dabei
die
Einbindung
von
Datenvisualisierungen,
unter
anderem
durch
das
Environmental
Systems
Research
Institute
Esri,
die
komplexe
Zusammenhänge
verständlich
machen.
In
dem
kompakten
„Waldbeobachtungslabor“
greifen
GIS-Technologie
und
künstliche
Intelligenz
ineinander
und
Besucher
können
mithilfe
zweier
Touchpads
interaktiv
den
Wald
erforschen.
Es
ist
diese
Balance
zwischen
Emotionalität
und
Information,
die
„Mythos
Wald“
so
stark
macht.
Der
bei
„Das
zerbrechliche
Paradies“
gelegentlich
etwas
unangenehm
penetrant
schuldig
sprechende
grüne
Zeigefinger
fehlt
hier
erfreulicherweise;
ohne
aber
auf
das
zurecht
mahnende
Element
zu
verzichten.
Der
unbestrittene
Höhepunkt
der
Ausstellung
befindet
sich
jedoch
im
Luftraum
des
Gasometers
–
dort,
wo
schon
bei
„Planet
Ozean“
die
spektakuläre
Installation
„Die Welle“ die Besucher in Staunen versetzte.
Diesmal
ist
es
die
Lichtinstallation
„Der
Baum“.
Der
Besucher
blickt
in
ein
abstraktes
Wurzelwerk,
während
sich
darüber
eine
rund
35
Meter
hohe,
leuchtende
Baumkrone
in
den
Raum
erhebt.
Die
Projektionen,
die
Lichtbewegungen,
die
räumliche
Tiefe
–
all
das
erzeugt
ein
Gefühl,
als
würde
man
Teil
eines
lebendigen
Organismus
werden.
Pandora
und
„Der
Baum
der
Seelen“
lassen
grüßen
(aus
dem
Film
Avatar,
Service
Hinweis
für
die
Leser,
die
wir soeben abgehängt haben. Anm. d. Red.).
Der
Baum
ist
schwer
in
Worte
zu
fassen:
Er
ist
stiller
als
„Die
Welle“
oder
davor
die
Erdkugelinstallation,
weniger
spektakulär
im
klassischen
Sinne,
aber
dafür
nachhaltig
in
seiner
Wirkung.
Es
entfaltet
sich
eine
Form
von
kontemplativer
Erhabenheit,
die
nachwirkt.
„Mythos
Wald“
ist
keine
Ausstellung,
die
man
schnell
„abarbeitet“.
Sie
verlangt
Zeit,
Aufmerksamkeit
und
die
Bereitschaft,
sich
auf
unterschiedliche Ebenen einzulassen.
Fazit:
„Mythos
Wald“
wirkt
wie
eine
konsequente
Fortsetzung
dessen,
was
der
Gasometer
in
den
letzten
Jahren
etabliert
hat:
Ausstellungen,
die
Wissenschaft,
Kunst
und
Emotion
miteinander
verbinden
und
dabei
die
Grenzen
klassischer
Präsentationsformen
sprengen.
Am
Ende
verlässt
man
den
Gasometer
mit
einer
veränderten
Perspektive
auf
etwas,
das
uns
eigentlich
alltäglich
erscheint:
den
Wald.
Die
Ausstellung
läuft
vom
20.
März
bis
zum
30.
Dezember
2026,
was
ausreichend
Zeit
bietet,
einen
Besuch
einzuplanen
–
allerdings
ist
damit
zu
rechnen,
dass
es
besonders an Wochenenden und Feiertagen voll wird.
Der
Eintrittspreis
liegt
bei
14
Euro
für
Erwachsene
und
11
Euro
ermäßigt.
Die
Anreise
gestaltet
sich
unkompliziert:
Der
Gasometer
liegt
in
unmittelbarer
Nähe
zum
Einkaufs-
und
Freizeitkomplex
CentrO
in
Oberhausen
und
ist
sowohl
mit
dem
Auto
als
auch
mit
öffentlichen
Verkehrsmitteln
gut
erreichbar.
Alle
tagesaktuellen Informationen finden sich jeweils unter
www.gasometer.de