RuhrGesichter Auch die erfolgreichste Metalband Finnlands (o.k., das ist nicht mehr ganz unser Ruhrpott – Einzugsgebiet, aber wir schreiben trotzdem mal weiter :-)), NIGHTWISH, hielt es nicht mehr aus, ihr bereits im April 2020 veröffentlichtes Album Human. :II: Nature nicht live den Fans in aller Welt vorstellen zu können. Ein probates und von vielen anderen Musikern mittlerweile erprobtes Mittel in Seuchenzeiten ist das Online – Konzert.

NIGHTWISH                                                     

An Evening with Nightwish in a Virtual World

Die   Band   um   Keyboarder   und   Mastermind   Tuomas   Holopainen   bat   also   zu   „An Evening   with   Nightwish   in   a   Virtual   World”   in   der   extra   für   diesen   Anlass   in   der virtuellen   Realität   eröffneten   Taverne   „The   Islanders   Arms“   und   versprach   nicht nur   ein   Konzert,   sondern   darüber   hinaus   ein   interaktives   Abenteuer   (und   riefen dafür teils amtliche Ticketpreise auf). Tatsächlich   schafften   es   die   Symphonic   –   Metaller   mit   ihrer   famosen   Frontfrau Floor   Jansen   die   herausragende   und   genreprägende   Nightwish   –   Musik   auf   eine völlig   neue   Art   zu   präsentieren.   Das   Greenscreen   –   Konzert   geriet   zwar   einerseits optisch   gelegentlich   etwas   verspielt,   was   aber   andererseits   zu   den   opulenten, schnörkelreichen Kompositionen passte. Im   Vorfeld   wurde   mitgeteilt,   dass   die   Fans   sich   einen   Avatar   zulegen   können,   mit dem   sie   sich   in   der   aufwändig   gestalteten   virtuellen   Welt   bewegen   und   dort   der Band   zujubeln   können.   Das   optionale   Werfen   von   faulen   Tomaten   war   übrigens nicht    programmiert,    wäre    ob    der    optischen    und    musikalischen    Qualität    des Events   auch   nicht   angemessen   gewesen.   Den   eigenen   Avatar   sollten   die   Fans nach   Belieben   mit   Bandshirts   anziehen   können.   Joah.   Niedlich.   Irgendwie.   Diese Funktionen   haben   wir   sämtlichst   nicht   entdeckt,   möglicherweise   sind   sie   bei   der Proframmierung     der     teil     aufwändigen     Einspieler     an     irgendeiner     Stelle runtergefallen   oder   den   Käufern   der   VIP   –   Pakete   vorbehalten   geblieben   und nicht   so   schnöden   Schreiberlingen   wie   den   Ruhrgesichtern:   Egal,   wir   haben   sie jedenfalls nicht gefunden und auch nicht sonderllich vermisst. Während   Anette   Olzon,   die   zwischen   2007   und   2012   bei   Nightwish   versuchte,   die übergroßen    Schuhe    ihrer    Vorgängerin    Tarja    Turunen    auszufüllen,    nie    ganz unumstritten   war,   verbieten   sich   diese   Vergleiche,   seit   Floor   Jansen   bei   Nightwish am   Mikro   steht:   Floor   hat   ihre   eigenen   Gesangs   -   Stiefel   mitgebracht.   Und   ganz nebenbei    ein    umwerfendes    Oberteil,    dass    die    virtuellen    Welten    in    jeden erdenklichen Schatten stellte. So   geriet   von   Beginn   an   der   Konzertabend   in   The   Islanders   Arms   zu   einem stimmlichen   und   musikalischen   Hochgenuss,   dass   die   Boxen   nur   so   glühten.   Da an   zwei   aufeinanderfolgenden   Abenden   unterschiedliche   Setlists   gespielt   wurden, sei angemerkt, dass wir Ruhrgesichter nur am Freitag zugegen waren. Die   Taverne   war   voll   besetzt   mit   Fans   aus   aller   Welt,   die   während   des   Konzertes miteinander   in   Austausch   standen   und   kräftig   miteinander   chatteten,   so   dass tatsächlich   so   etwas   wie   ein   Gemeinschaftsgefühl   entstand   und   sich   auch   die Besucher    aus    den    entlegensten    Winkeln    dieses    Erdenrunds    als    Teil    der Feiermeute   fühlen   durften.   Sogar   rockende   Sauerländer   versuchten   sich   in   ihrem besten finnisch  englisch. Angesichts   des   herausragend   guten   Mix   &   Sounds   genossen   wir   das   Konzert   über weite   Strecken   via   Kopfhörer:   Ein      Genuss,   der   nächtens   in   Wacken   eher   nicht möglich ist. Fazit:     Ein     Konzert     aus     einem     Guss:     Ob     Midtempo     Rocker,     Orchester Arrangements,     schnellere     schwermetallische     Gangart     oder     Folk     –     Metal, Nightwish   klingen   wie   aus   einer   anderen   Welt   und   über   allem   schwebt   die himmlische Stimme von Floor Jansen, die gesanglich Maßstäbe setzt. So   wurde   es   ein   rundum   gelungener   Abend   mit   Nightwish   in   der   Taverne,   der   nur die Frage zurücklässt: Wie ist dieses kolossale Niveau noch zu toppen?
© Pressefoto Nightwish