Kritik: VERSENGOLD live
Eingenordet im Zelt
Rund
1000
Menschen
sind
gekommen,
um
den
Abschlussabend
des
Festivals
mit
Versengold
zu
feiern.
Und
schnell
wird
deutlich:
Diese
Band
muss
ihr
Publikum
nicht
lange
überzeugen.
Sie
muss
ihm
eigentlich
nur
einen
Anlass
geben,
gemeinsam
loszulegen.
Versengold
betreten
die
Bühne
mit
jener
Mischung
aus
Selbstbewusstsein,
Spielfreude
und
sorgfältig
inszeniertem
Spektakel,
die
ihre
aktuelle
Tour
prägt.
Der
Einstieg
ist
dabei
mehr
als
eine
bloße
Begrüßung.
Er
wirkt
wie
ein
musikalischer
Startschuss.
Das
Publikum
ist
sofort
da,
singt
mit,
klatscht,
bewegt
sich
und
übernimmt
spätestens
bei
den
ersten
bekannten
Refrains bereitwillig die zweite Stimme.
Dass
die
Band
auf
ihrer
„Eingenordet“-Tour
neben
neuen
Liedern
auch
zahlreiche
bewährte
Stücke
im
Gepäck
hat,
erweist
sich
als
kluge
Dramaturgie:
Die
neuen
Songs
werden
nicht
als
Pflichtprogramm
präsentiert,
sondern
in
ein
Set
eingebettet, das auch langjährige Fans abholt.
Für
die
Fotografen
war
es
nicht
ganz
leicht,
den
Blick
zur
Bühne
zu
halten
und
dabei
der
überdimensionalen
aufblasbaren
Weltkugel
auszuweichen,
die
gelegentlich
aus
dem
Publikum
ihren
Weg
zurück
in
Richtung
Bühne
fand…
Kollateralschäden…
Versengold
jedenfalls
wissen
genau,
was
sie
können.
Vor
allem
wissen
sie,
dass
Folk-Rock
live
nicht
allein
von
den
Liedern
lebt.
Es
ist
die
Verbindung
aus
Musik,
Bewegung,
Ansagen
und
gemeinsamer
Aktion,
die
den
Abend
trägt.
Sänger
Malte
Hoyer
führt
durch
das
Programm,
ohne
sich
dabei
in
den
Vordergrund
zu
drängen.
Seine
Ansagen
sind
locker,
gelegentlich
frech
und
mit
jener
Portion
Selbstironie
versehen,
die
zum
Wesen
der
Band
gehört.
Es
entsteht
nicht
der
Eindruck,
hier
wolle
jemand
eine
perfekt
durchkomponierte
Rockshow
abspulen.
Vielmehr
scheint
die
Band
immer
wieder
den
direkten
Kontakt
zum
Publikum
zu
suchen.
Das
funktioniert
besonders
gut,
weil
die
Zuschauer
nicht
bloß
Konsumenten bleiben. Sie sind Teil der Party.
Musikalisch
ist
das
Gebotene
bemerkenswert
präzise.
Hinter
der
scheinbar
mühelosen
Ausgelassenheit
steckt
eine
Band,
die
ihre
Instrumente
sicher
beherrscht
und
weiß,
wann
sie
Druck
machen
und
wann
sie
Raum
lassen
muss.
Geige,
Folk-Instrumente
und
Rockbesetzung
verschmelzen
zu
einem
Sound,
der
seine
Wurzeln
klar
erkennen
lässt,
aber
nie
nach
Mittelaltermarkt
auf
Autopilot
klingt.
Gerade
darin
liegt
eine
der
großen
Stärken
von
Versengold:
Die
Band
kann
traditionelle
Klangfarben
einsetzen,
ohne
sich
von
ihnen
einengen
zu
lassen.
Wenn
die
Instrumentalisten
richtig
Fahrt
aufnehmen,
wird
aus
dem
Sparkassenzelt
für
einige
Minuten
ein
Tanzboden.
Die
Rhythmen
gehen
unmittelbar
in
die
Beine,
und
selbst
Zuschauer,
die
zunächst
eher
abwartend
wirken,
lassen
sich
von
der
Energie
anstecken.
Das
neue
Album
„Eingenordet“
liefert
dafür
reichlich
Material.
Es
ist
das
zweite
Nummer-eins-Album
der
Band
und
verbindet
modernen
deutschsprachigen
Folk-Rock
mit
nordischer
Bildsprache,
eingängigen
Melodien
und
Texten,
die
zwischen
Abenteuerlust,
Zusammenhalt
und
gesellschaftlicher
Haltung
wechseln.
Auf
der
Bühne
zeigt
sich, dass diese Stücke keineswegs nur im Studio funktionieren.
„Klabauterfrau“
bringt
eine
kräftige
Portion
Seefahrerromantik
und
Bewegung
in
den
Saal,
„Falscher
Leuchtturm“
setzt
einen
deutlich
kantigeren
Akzent.
Überhaupt
ist
die
Mischung
aus
Ernsthaftigkeit
und
Blödsinn
ein
wesentlicher
Bestandteil
dieses
Abends.
Kaum
hat
ein
Song
eine
politische
oder
nachdenkliche
Note
angeschlagen,
folgt
die
nächste
Gelegenheit
zum
Mitsingen,
Schunkeln
oder
Schmunzeln.
Versengold
verweigern
sich
dem
Gedanken,
ein
Konzert
müsse
einen
einzigen
emotionalen
Zustand
haben.
Das
Programm
darf
albern
sein,
ohne
beliebig
zu
werden,
und
ernst,
ohne
schwerfällig
zu
wirken.
Besonders
deutlich
wird
das
bei
„Haut
mir
kein’
Stein“.
Wo
zuvor
getanzt,
gelacht
und
mitgesungen
wurde,
verändert
sich
die
Atmosphäre
spürbar.
Die
Ballade
nimmt
Tempo
aus
dem
Abend
und
schafft
einen
Moment,
in
dem
die
Texte
plötzlich
deutlich mehr Gewicht bekommen.
Versengold
versuchen
nicht,
aus
einem
Folk-Rock-Konzert
ein
intellektuelles
Kunstprojekt
zu
machen.
Sie
wollen
unterhalten,
berühren,
zum
Tanzen
bringen
und
gelegentlich
einen
Gedanken
hinterlassen.
Das
gelingt
ihnen
erstaunlich
souverän.
So
verabschiedet
sich
das
Zeltfestival
Ruhr
mit
einem
Konzert,
das
ziemlich
genau
das
erfüllt,
was
man
sich
von
einem
solchen
Abschluss
wünscht:
Es
ist
laut,
herzlich,
handgemacht,
gelegentlich
derb,
manchmal
überraschend
emotional
und
vor
allem
gemeinschaftlich.
Versengold
zeigen
in
Witten,
warum
sie
inzwischen
weit
über
die
klassische
Folk-Rock-Szene
hinaus
ein
großes
Publikum erreichen.